Rocky on the rocks

Aus der norditalienischen Tiefebene führt uns der Weg in die Südalpen. Vom Friaul in die Dolomiten. Die Berge werden langsam höher, die Schluchten tiefer, hier und da liegt schon Schnee. Zwischendurch halten uns zwei zunächst sehr ernst dreinschauende Carabinieri an, doch nach einem Blick in unsere Papiere und kurzem Smalltalk inklusive Spässchen mit Lina, dürfen wir weiter ziehen.
Nach der Mittagsrast an einer Bäckerei in der wir total gutes, aber extrem teures Ciabatta mit ganzen Oliven kaufen, liegen schon bald die Drei Zinnen vor uns. Die Straße ist geräumt und rundherum liegt Schnee. An der Zufahrt ganz nach oben ist ein Gate und die Schranke auf unserer Seite ist zu. Hm, fahren wir doch einfach auf der anderen Seite durch. Doch ein Stück weiter oben ist dann ganz Schluss und wir drehen an den Gittern, die quer auf der Straße stehen, wieder um. Schade. Aber egal, Hauptsache Schnee und ein bisschen Bewegung. Lina lässt sich in neuer Wintermontur aus Udine direkt komplett in den Schnee fallen und genießt die weiße Pracht.
 
Wir spazieren um einen kleinen See und bald wird es schon wieder dunkel. Hier in den Bergen geht das ja noch schneller! Dabei ist es noch so früh. Also fahren wir einfach noch ein Stück weiter und erreichen in der Dunkelheit das Pustertal. Vorbei am Kronplatz und Sand in Taufers bis hin zum Weitental. Diese Gegend in Südtirol kennen wir gut vom Gleitschirmfliegen und freuen uns als am nächsten Morgen im Sonnenschein das Tal vor uns liegt aus dem so langsam der Nebel aufsteigt.
 
Es gibt ja diese Orte an die man immer wieder gerne zurück kehrt und an denen man sich einfach wohl fühlt. So ein Platz ist für uns der Oberhof. Viele besondere Erinnerungen verbinden wir mit diesem wunderschönen Fleckchen am Rande des Gitschbergs. Eine schmale Straße windet sich in vielen Kehren nach oben und ich fühle ein wohliges Kribbeln im Bauch. Es hat sich fast nichts geändert seit wir während meiner Schwangerschaft das letzte Mal da waren. Vor fast genau drei Jahren bin ich zum letzten Mal mit Lina im Bauch geflogen, Michi hat mir den romantischsten und sensationellsten Heiratsantrag aller Zeiten aus der Luft gemacht und wir sind bei strahlend blauem Himmel durch den tiefen Schnee gewandert. Heute ist Lina dabei und hüpft schon fröhlich den kleinen Weg hoch zum Haus. Wir werden von einem Hund den wir noch gar nicht kennen lautstark begrüßt, spätestens jetzt weiß jeder dass wir da sind. Und kurz später kommt auch schon Regine die Hausherrin um die Ecke. Sie erkennt uns schnell wieder, wir trinken einen Kaffee in ihrer gemütlichen Küche, dürfen in den Kuhstall gehen und auch die Enten und Hasen besuchen. Ich liebe den Blick runter ins Tal, die Ruhe und den Frieden den hier alles ausstrahlt. Der Rest der Familie ist leider unterwegs, aber wir kommen ganz sicher wieder und darauf freuen wir uns schon.
 
Ja und dann geht alles ganz schnell. Brennerautobahn, österreichische Grenze, Vignette kaufen, deutsche Grenze .... Und schon sind wir wieder zurück. In Deutschland! Naja, erstmal in Bayern. In Garmisch stellen wir uns für die Nacht ans Schwimmbad, wir brauchen dringend mal wieder viel warmes Wasser. Ein ganzer Schilderwald weist einen hier darauf hin was man alles nicht darf. Zum Beispiel mit dem Wohnmobil stehen. Machen wir aber trotzdem und warten eigentlich nur darauf, nach achteinhalb Monaten unseren ersten Platzverweis zu bekommen. 
 
Der erste Abend in Deutschland, wir können es irgendwie gar nicht fassen. Hören die Musik unserer Reise und schauen mit komplett gemischten Gefühlen in den Feuerschein unserer Antimückenkerze, im Wachs schwimmen die Falter und Mücken vergangener Länder.
 
Im Schwimmbad am nächsten Morgen ziehe ich ein paar Bahnen mit Blick auf die Alpspitzen und höre den Gesprächen der Rentner zu. Es geht um Landwirtschaft, Politik und das Wetter. Ich frage mich gerade worüber sich in anderen Ländern die Leute eigentlich immer so unterhalten haben und weiß gar nicht, ob ich froh bin plötzlich wieder alles zu verstehen.
 
Wir essen noch eine Kleinigkeit und als ich den Müll weg bringen will, wird mir erneut bewusst, dass wir wieder in Europa sind. Hier wird wieder der Müll getrennt! Ich stehe mit meiner gemischten Mülltüte etwas ratlos vor den gelben, blauen und grünen Containern. Was war nochmal Restmüll?
 
Vor ein paar Tagen haben wir beschlossen, noch nicht direkt nach Hause zu fahren um möglichst langsam im normalen Leben wieder anzukommen. Wir verbringen noch ein paar super schöne Tage bei Freunden und Familie in Bayern und Hessen. Danke für das herzliche und warme Willkommen heissen, leckerstes Käsefondue, lustiges Beisammensein mit Kindern und Hund, bayrisches Weisswurstfrühstück, Spaziergang zu kleinen Kälbchen, gute Nudeln vom Italiener um die Ecke, weinselige Gespräche bis tief in die Nacht, Gulasch mit Spezialtoast, Spielspass für Lina, Bauernhofführung mit frischer Kuhmilch und Autoschraubergespräche am Straßenrand.
 
An unserem Zuhause sind wir einfach vorbei gefahren, denn wir wollen nicht, dass es schon ganz vorbei ist unser großes Abenteuer, von dem wir gerade noch gar nicht ahnen wie groß es eigentlich wirklich war.
 
Und jetzt machen wir Urlaub! Bei Linas Oma und Opa! Große Überraschung, große Freude :-)

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Kommentare: 3
  • #1

    Gesine (Sonntag, 27 November 2016 20:35)

    Herzlich Willkommen wieder in Deutschland!!!
    Danke, dass ihr viele Menschen durch euren tollen Blog mit auf euer Abenteuer genommen habt!!!
    Liebe Grüße
    Gesine

  • #2

    Michaela (Montag, 28 November 2016 10:44)

    Hallo Ihr Drei Gerlachs...
    Herzlich Willkommen zu Hause :-)
    Wir freuen uns, dass Ihr gesund und munter von Eurer großen Reise zurück gekommen seid...
    Eine gesegnete Adventszeit für Euch und Eure Familie...

  • #3

    Hartmut (Mittwoch, 30 November 2016 17:27)

    Danke fürs dabei sein dürfen!