Hello Hellas!

Hinter Istanbul fahren wir eine ganze Weile am Marmarameer entlang in Richtung Griechenland. Die letzte Nacht auf türkischem Boden verbringen wir auf einem LKW-Parkplatz und am nächsten Morgen wird Lina von einem netten LKW-Fahrer zum Abschluss nochmal reich mit Süsskram und Melone beschenkt.
Wie schön, dass die Türkei uns als ein ausgesprochen freundliches Land in Erinnerung bleiben wird, von dem wir gerne nochmal mehr sehen wollen. Auch was die Sicherheit angeht, bleibt kein schlechter Nachgeschmack. Zwar gibt es hin und wieder schwerbewaffnete Kontrollposten an den Straßen, teilweise mit Panzern, bei denen wir aber immer direkt durchgewunken wurden. In Istanbul war mehr Polizei präsent als vor zwei Jahren fiel Michi auf, aber eigentlich auch nur in der Altstadt wo die meisten Touristen sind. Wir sind froh, dass wir uns nicht davon haben abhalten lassen herzukommen!

Die letzte "richtige" Grenze liegt nun vor uns. Und danach sind wir dann wieder in Europa! Seit fast fünf Monaten. Es fällt uns ein langer Zaun auf, an dem im Abstand von wenigen Metern ganz viele Müllcontainer stehen. Hier standen wohl mal viele viele Menschen an um eingelassen zu werden. Wir erinnern uns an die Bilder aus dem Fernsehen. Heute ist hier fast niemand, nur viele LKW. In nur 10 Minuten sind wir durch und in Griechenland. Kaliméra! Lina lutscht noch am Grenzlolli, da brausen wir schon auf breiter leerer Straße vorbei an Baumwollfeldern, am Straßenrand liegen ganz viele von den weißen Puscheln. Ortsnamen werden meist in griechisch und lateinisch ausgeschildert, wir entdecken Buchstaben die wir vom Kyrillischen her noch kennen. 

Bei angenehmen 22 Grad und blauem Himmel kommen wir an Alexandroupolis und Kavala vorbei, bis wir schließlich in einer kleinen Bucht am ägäischen Meer anhalten. Dieser Traumstrand ist ein Tipp von Pumare und wirklich sehr schön. Lina spielt nach Herzenslust im Sand, ich schwimme und Michi baut eine lange Klickerbahn. Außer den üblichen zahmen Strassenhunden und einem Hochzeitspaar mit Fotograf ist hier niemand außer uns. Die Strandbar nebenan ist verwaist und auf der Tafel stehen noch die Cocktails der vergangenen Saison. 

Die nächsten Tage sind ein wenig kühler und bewölkt, doch es bleibt trocken und wir genießen nochmal Strand und Meer auf Sithonia, dem mittleren Finger der Halbinsel Chalkidiki. In dem kleinen Ort Sarti finden wir das Hotel in dem Ela mal vor vielen Jahren gearbeitet hat. Wie fast alle anderen ist es schon im Winterschlaf und wir wollen uns auch gar nicht vorstellen, was hier los ist, wenn alles voll belegt ist. Wir grillen am Strand, machen Spaziergänge, finden einen Schatz und ein kaputtes rosa Schaukelpferd, zu dem Lina Nilpferd sagt. Beim Einschlafen hüpft eine Katze auf dem Rockydach immer hin und her, öfter mal was Neues!

Die Halbinsel ist bergig, bewaldet und hat viele tolle Buchten. Die meisten Orte sind wie ausgestorben. Bestimmt genießen die Bewohner die Ruhe. Wir kommen an unzähligen Olivenhainen, Mandarinen-, Orangen- und Zitronenbäumen vorbei. Auch die vielen kleinen bunten Heiligenschreine am Wegesrand fallen uns auf. 

Und dann machen wir unseren ersten Einkauf seit Langem bei einem Lidl! Man fühlt sich direkt heimisch, auch wenn es dort andere Produkte gibt als bei uns. Aber vieles ist auch sehr ähnlich, vor allem die Preise! Wir essen auf dem Parkplatz zu Mittag und eine deutsche Frau fragt im Vorbeigehen ob wir das schlechte Wetter mitgebracht haben. Wir schauen uns etwas verständnislos an und merken, dass uns das Wetter eigentlich völlig egal ist. Ändern kann man es ja sowieso nicht und für unser Empfinden haben wir eigentlich immer tolles Wetter auf unserer Reise gehabt. 

Vor Thessaloniki finden wir an einem Laden für Campingzubehör, der einem Deutschgriechen gehört, einen tollen Gratis-Stellplatz. Hier sind wir mal nicht alleine und haben sehr nette Nachbarn. Deutsche Rentner die schon um die ganze Welt gesegelt sind, Holländer die einmal komplett durch Afrika fuhren, Franzosen am Beginn ihrer Weltreise ohne Rückkehr und endlich mal eine Familie mit zwei Kindern! Dementsprechend interessant sind die Gespräche über Länder, Routen, Erfahrungen, Technik und die verschiedenen Lebensentwürfe. 

Am 28. Oktober ist "Ochi-Tag", ein Nationalfeiertag an dem die ganze Stadt auf den Beinen ist. "Ochi" ("Nein") sagte 1940 der griechische Regierungschef zu einem Ultimatum Mussolinis, woraufhin der Krieg begann. Wir wollen mit dem Bus die 20 Kilometer ins Zentrum fahren. An der Bushaltestelle kommt ein ziemlich heruntergekommener älterer Mann auf uns zu und ich befürchte schon, dass er uns anbetteln will. Dabei erklärt er uns (auf Griechisch), dass man im Bus nur mit Münzen bezahlen kann. Wir stellen fest, dass wir nicht genug Kleingeld haben und ich fasse es nicht, als er uns die fehlenden 50 Cent schenkt. Einfach so. Beschämt stelle ich mal wieder fest, dass man wirklich nicht vom Äußeren auf das Innere eines Menschen schließen darf. Er steigt mit uns ein, wir lächeln uns immer wieder zu und er zeigt uns auch noch wo wir umsteigen und aussteigen sollen. Wie nett!

Als wir an der breiten Uferpromenade ankommen, ist die Militär-Parade schon in vollem Gange und wir schauen marschierenden Soldaten und Polizisten zu. Lina will unbedingt, wie alle anderen Kinder auch, ein blau-weißes Fähnchen haben und so fallen wir im Gewühl der vielen vielen griechischen Familien gar nicht auf. 
Die großen Hubschrauber die direkt über uns hinweg fliegen, finde ich ja noch ganz interessant, aber als dann auch noch Düsenjets genauso nah eine Flugshow veranstalten, kann ich es kaum ertragen. Schrecklich laut und viel zu nah! Lina zittert vor Schreck. Und ich muss plötzlich an das schlimme Unglück in Ramstein damals denken, dass meine Eltern sich als Kinder im Krieg bei Fliegeralarm in die Luftschutzbunker flüchten mussten und dass gerade in vielen Ländern genau das bittere Realität ist. Wir gehen in Richtung Innenstadt und ich bin froh, dem Krach zu entkommen. 

Kommt es uns nur so vor, oder ist hier das Gefälle zwischen Arm und Reich größer als in den vergangenen Ländern? Haben wir schon mal in einer Stadt so viele Bettler gesehen? 
Viele Griechen gehen zu einer sehr schmucken Kirche um dort Marienbilder zu küssen und ich kann Lina gerade noch so davon abhalten mit ihrem Popcorn zum Altar zu marschieren. 
Wir essen leckerstes Gyros, Pommes, gebackenen Feta, Oliven, kleine gefüllte Röllchen und Lina tobt sich danach auf einem Spielplatz müde.

In den nächsten Tagen soll es sonnig und trocken sein. Auf zum Olymp!

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Kommentare: 3
  • #1

    Michaela (Mittwoch, 02 November 2016 18:38)

    Wunderschön! Das gönne ich euch von Herzen

  • #2

    Michaela (Mittwoch, 02 November 2016 18:40)

    Dankeschön dass ihr für mich da seid, obwohl ihr so weit weg seid, seid ihr trotzdem so nah

  • #3

    Ela (Donnerstag, 03 November 2016 23:24)

    Guten Abend ihr 3 lieben,
    die Bilder und die Berichte aus der Türkei und Griechenland sind mal wieder total mitreißend. Ihr habt echt ein Händchen dafür uns immer wieder mit in eure Reise hineinzunehmen.
    Jetzt seid ihr schon ganz in der Nähe.
    Bei uns ist mittlerweile Herbst.
    Genießt jeden Sonnenstrahl und bringt uns viele davon mit. Wir freuen uns schon so euch in echt wieder zu sehen.
    Guts Nächtle
    Ela und Family