Istanbul'da

Das ehemalige Konstantinopel ist mit 18 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei und eine der 15 größten Städte der Welt. Einmalig ist die Lage zwischen zwei Kontinenten und zwei Meeren. Die Strasse nach Istanbul führt uns von der Schwarzmeerküste nach Süden ans Marmarameer. Die Küste hier ist komplett bebaut mit großen und kleinen Häusern dicht an dicht. Der Verkehr nimmt immer mehr zu. Riesige Containerschiffe liegen vor Anker und warten darauf beladen und entladen zu werden. Bevor wir aber weiter ins Zentrum fahren, suchen wir noch eine Werkstatt für unseren Rocky auf.

Nachdem ich dem Werkstattmeister unseren Teil von der Feder zeige, weiß er Bescheid und läuft mit mir eine Straße weiter zum Ersatzteilverkäufer. In dem kleinen Laden geht es zu wie auf dem Bazar. Nach ein paar Minuten hab ich ein Handy am Ohr und wenigstens jemanden der auch etwas Englisch spricht. Nach wildem Hin und Her können sie die Teile bestellen und ich kann sie morgen Mittag abholen. Angeblich kommt auch jemand der sie mit mir einbauen kann. Ich bin gespannt, der Werkstattmeister mit dem ich in den Laden gegangen bin ist nicht mehr da!

Da unsere Rocky Beschriftung mit der Fingerfarbe leider immer wieder vom Regen verwaschen wird, wollen wir uns Aufkleber schneiden lassen. Praktischerweise ist direkt neben dem Ersatzteillager eine Druckerei und eine Stunde später halten wir unsere Folienaufkleber in den Händen.

 

Jetzt geht es auf die europäsche Seite der Türkei ins Zentrum von Istanbul über den Bosporus. Am Kennedy Otopark können wir den Rocky auf einem bewachten Parkplatz abstellen. Der Platz liegt direkt am Meer, die Altstadt mit der blauen Moschee in Laufreichweite und nette Weltenbummler treffen wir hier auch noch. Nach dem Austausch der üblichen Infos woher, wohin und wie lange wer schon unterwegs ist, müssen wir auch schon wieder aufbrechen. Diesmal zu Fuß zur alten Haltestelle des Orient Express. Dort ist nämlich heute Abend ein Eventcache. Der beste Einstieg nach Istanbul den wir haben können. Wir treffen sehr nette Istanbuler mit denen wir nach dem Cache noch was essen und trinken gehen. Sie können uns viele Tipps für die Stadt geben und auch viele Fragen über die Türkei beantworten. Eine Cacherin berichtet, dass durch die aktuelle politische Lage der europäische Tourismus um 80% zurück gegangen ist und sie sich auch selber gerade nicht wohl fühlt in ihrem Land. Spät am Abend fallen wir müde, glücklich und erschöpft für eine letzte Nacht in unseren Rocky.

 

Juhu, heute ist es soweit! Vor der Abreise haben wir ein tolles Geschenk von unseren Freunden bekommen. Einen Gutschein von "Steinmarder & Co." für eine Nacht in einem Hotel an irgendeinem Punkt unserer Reise. Aus einer Nacht sind sogar zwei geworden und so fahren wir direkt nachdem wir die Aufkleber auf unseren Rocky geklebt haben zum Hotel "Amira". Vor der Tür werden wir schon freundlich empfangen. Unsere paar Klamotten in der Rewetasche werden schnell aufs Zimmer gebracht, wir werden zum Getränk eingeladen und Emre erklärt uns in aller Ruhe was uns im Hotel erwartet. Leckeres Frühstücksbüffet, Teestunde, eine Dachterrasse für den Sundowner und noch ein paar Tipps fürs Abendessen in der Umgebung. In der Zwischenzeit wird unser Rocky irgendwo geparkt. Ein etwas komisches Gefühl nach 8 Monaten sein Haus wegfahren zu sehen!

Das Zimmer ist traumhaft. Ein riesiges Bett für Christiane und mich, ein kleines Bettchen für Lina, Badewanne mit Whirlpool und soviel Platz unter einem Dach wie wir ihn schon lange nicht mehr hatten. Wir beschließen dieses Hotel die nächsten zwei Tage nicht mehr zu verlassen. Während die beiden Mädels die Badewanne genießen, muss ich leider die Ersatzteile holen. Erfolgreich war ich dabei leider nicht. Die Jungs im Ersatzteillager hatten nur eins von zwei Teilen und der versprochene Schrauber war auch nicht da. Also ab zur nächsten Werkstatt quer durch die Stadt, aber auch dort keine Chance. Unverrichteter Dinge komme ich wieder zum Hotel und kann jetzt auch endlich eine heiße Dusche genießen. Zum Abendessen laufen wir direkt um die Ecke in die Soul Kitchen und kuscheln uns danach in die weiße Bettwäsche. Den nächsten Tag verbringen wir komplett im Hotel. Lina sortiert die Zimmereinrichtung, hüpft auf dem Bett herum, der Fernseher läuft und wir essen Pizza im Bett. Oh wie schön! Nach dem leckeren Frühstück verlassen wir nur ungern unser tolles Hotel. Vielen Dank an unsere Freunde für das geniale Geschenk! Ihr hättet es nicht besser treffen können!

Nach der Erholung im Hotel geht es heute quer durch die Stadt. Wir schauen uns die Ayasofia, die blaue Moschee und den ägyptischen Bazar an. Weiter über die Galatabridge, durch das Karaköy- und Taksim-Viertel zum Taksimplatz. In den kleinen Gassen gibt es viel zu sehen. Kleine Cafés, Antiquitäten- und Kunst-Läden. Am Nachmittag fahren wir mit der Fähre über den Bosporus nach Kadiköy. Ein Tipp unserer Cacherfreunde. Auf der asiatischen Seite erwartet uns das wahre Istanbul. Viele Händler preisen ihre frischen Waren in den vollen Gassen an. In einem Buchladen finden wir deutsche Bücher, kaufen CD's, Lina tanzt im CDladen, verzaubert alle und geht nie ohne ein Geschenk. In einem engen Restaurant essen wir leckere einheimische Spezialitäten und trinken Raki. In der Dunkelheit geht es zurück mit der Fähre und besonders Lina bestaunt die vielen Lichter am Ufer der riesigen Metropole.

Auf den letzten Metern zum Rocky laufen wir durch Zufall an einer kleinen Werkstatt vorbei. Drei Jungs sitzen am Schreibtisch und wir fragen einfach mal ob sie unseren Rocky reparieren können. Es ist Freitagabend 22:00 Uhr! Kein Problem sagen sie, einer telefoniert schon fleißig nach den Teilen, wir leisten eine Anzahlung von 200 Lira (ca. 58€) und sollen morgen  pünktlich um 12 Uhr da sein. Ob das eine gute Idee war oder ob die 3 jetzt das Geld in der nächsten Bar auf den Kopf hauen?

Pünktlich wie wir Deutschen sind, stehen wir um 11:50 Uhr vor der Werkstatt. Die Teile liegen auf dem Tisch und es geht direkt mit der Arbeit los. Der Rocky passt zwar nicht in die Werkstatt, aber das Ganze wird dann einfach direkt auf der Straße im fließenden Verkehr erledigt. Perfekt! Um uns die Wartezeit zu verkürzen, klappern wir die umliegenden Geschäfte ab, kaufen Souvenirs und Turkish Delight, bringen die Wäsche zum Waschsalon und trinken Tee im Lampenladen beim netten "Lambamann" gegenüber. Keine 24 Stunden nachdem wir zum ersten Mal in der Werkstatt waren, steht unser Rocky wieder mit neuen Federn und Domlagern da. Und das Ganze zum Festpreis!

 

Wir sind begeistert! Nicht nur von der schnellen Reparatur und dem tollen Hotel, sondern vor allem von den freundlichen, offenen und hilfsbereiten Menschen hier in Istanbul und der ganzen Türkei. 

Teşekkür ederim Türkiye!

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Kommentare: 2
  • #1

    Anja (Montag, 31 Oktober 2016 21:29)

    Wenn ich das lese, geht mir das Herz auf

  • #2

    Manuela (Mittwoch, 02 November 2016 17:31)

    Wie immer(!) wunderschöne Bilder! Besonders das Regenschirm-Bild gefällt mir. :-)