Von Leuchttürmen, Bootsbauern und einer alten Karawanserei

Von Trabzon geht die Reise weiter am Meer entlang. Rechts Wasser, links Häuser oder Berge, oben graue Wolken und unten eine glatte Straße. Über Giresun, vorbei an der größten türkischen Moschee außerhalb Istanbuls in Bulancak, nach Ordu, bis hin zum Kap Yason.
Hier steht auf einem geschützten "archäologischen Gelände" ein kleiner Leuchtturm und eine griechisch-orthodoxe Kapelle die komplett leer ist. Kein Kreuz und kein Altar, aber ansonsten intakt, bzw. restauriert. Außerdem sind hier Hafenanlagen und Fischzuchtbecken aus der Antike erhalten geblieben. Wir spazieren abends in der Dämmerung bei Nieselregen und am nächsten Morgen bei Wind und Sonnenschein zum Leuchtturm, sammeln Muscheln und beobachten Krebse.

Auf dem Weg zurück zur großen Straße fällt uns der viele angeschwemmte Müll und das Treibholz auf, säckeweise werden hier Haselnüsse und Reis am Straßenrand verkauft und wir essen das erste (extrem köstliche) Baklava. Vor Terme verbringen wir eine Nacht direkt am Strand und wundern uns, als abends Blaulicht um uns herum blinkt. Doch das verschwindet auch bald wieder. Dann auf einmal hören wir Türenschlagen und Stimmen um den Rocky herum. Komisch! Es stellt sich aber heraus, dass es drei Polizeiautos waren, eins vor uns, eins hinter uns und eins schon weg. Keiner klopft und wir atmen auf, als alle wieder verschwunden sind. 

In Samsun sind wir zum ersten Mal seit Langem mal wieder in einem richtig gut sortierten Geschäft in dem es alles gibt, was man so braucht. Wir kaufen Oliven, leckeren Käse und Zutaten für Burger, heute Abend wird gegrillt! Als wir den Einkauf einräumen, lernen wir eine junge Lehrerin aus der Schule nebenan kennen. Sie spricht uns lachend auf deutsch an und erzählt, dass ihre Mama lange in Mainz gelebt hat. Und kurz darauf habe ich diese auch schon am Telefon und wir plaudern ein bisschen. 

Passend nach Erreichen der 30.000 Kilometer-Marke, kommen wir am nördlichsten Punkt der Türkei an und fühlen uns eigentlich eher wie in Irland. Am 150 Jahre alten Leuchtturm von Inceburun grasen Kühe und eine frische Brise weht um unsere Nasen. Wir loggen einen Geocache und lernen ein freundliches türkisches Paar kennen. Der Mann kennt Deutschland gut, da er als NATO-Offizier in Aschaffenburg stationiert war. Die beiden schenken uns Mandarinen zum Abschied. Wie nett!

Als Souvenir nehmen wir vom äußersten anatolischen Zipfel morgens einen Rocky voller Fliegen mit, die wir auch nicht so leicht los werden. Der Regen macht eine Pause und wir spazieren durch das von den Griechen gegründete Sinop, ein hübsch auf einer schmalen Halbinsel gelegenes Städtchen mit Hafen und einer 2000 Jahre alten Stadtmauer. Beim Teetrinken sind die Rentner vom Tisch nebenan verzückt von Lina und können es nicht lassen, sie zu knuddeln. Und auch hier hören wir wieder wer alles schon mal früher in Almanya war. Irgendwie hat scheinbar fast jeder Türke irgendwelche Beziehungen zu Deutschland, kennt jemanden, der jemanden kennt oder war selbst mal da.

Während unseres Mittagessens im Rocky hören wir auf einmal draußen einen lauten Aufprall und direkt darauf viele laute Stimmen. Michi schaut aus dem Fenster und springt schnell mit unserem Erste-Hilfe-Set raus. Ein Motorradfahrer ist direkt neben uns ins Heck eines Autos gekracht, ohne Helm versteht sich. Dementsprechend blutig ist sein Gesicht auch, aber bis auf eine gebrochene Nase ist offensichtlich zum Glück nichts passiert. Polizei, Krankenwagen und viele Schaulustige sind schnell vor Ort, Lina ist das Ganze unheimlich, wir warten im Rocky bis sich der Trubel wieder gelegt hat und wir weiterfahren können.

Von Sinop aus machen wir über Kastamonu nochmal einen Abstecher in die Berge. Eine Nacht verbringen wir auf einem Waldweg der laut Karte zu einem kleinen Ort führt. Aber als immer wieder Autos anhalten und zwei Mal mehrfach laut am Rocky geklopft wird, fragen wir uns schon, wo wir hier gelandet sind. Beide Male reden die Männer auf uns ein, aber wir verstehen nicht was sie wollen, öffnen auch nicht die Tür und bald sind sie wieder verschwunden. Vielleicht einfach nur Neugierde, aber das weiß man ja leider nie so genau.

Unser Ziel ist Safranbolu, Unesco-Weltkulturerbe und eine wirklich wunderschöne alte Stadt in der einst die Karawanen der Seidenstraße rasteten. Während eines Stadtbummels durch den alten Kern bestaunen wir bei Sonnenschein die osmanische Architektur, das große Hamam und die vielen Konaklar (große elegante Wohnhäuser) für die Safranbolu berühmt ist. Wir ziehen die Schuhe aus und besuchen zwei große prächtige Moscheen in denen gerade nicht gebetet wird. Besonders beeindruckend ist die gewaltige Karawanserei Cinci Han aus dem Jahre 1645, die einst nicht nur Reisenden als Unterkunft diente, sondern auch Kamelen und Pferden. Zum Essen trinken wir leckeren Ayran und Lina lernt den kleinen Ata vom Nachbartisch kennen, der ihr sogar einen Kuss gibt. Als sie noch ein kleines Kettchen in einem Laden geschenkt bekommt, ist sie selig!  

Unser Parkplatz der uns erst so perfekt für die Nacht erschien, mausert sich mal wieder zur Party-Location und direkt neben uns wird bis tief in die Nacht laut Musik gehört und erzählt. Am nächsten Morgen sind die Folgen nicht zu übersehen: verteilte Chipstüten, Dosen und bergeweise Schalen von Sonnenblumenkernen. Dass überall Mülleimer stehen, interessiert keinen. 

Bevor wir die Küste wieder erreichen, fahren wir über viele Serpentinen nach unten und durch einen seltsamen Ort in dem überall Würste hängen. Wir halten an und kaufen eine. Köstlich! Scheint eine regionale Spezialität zu sein. Außerdem fällt uns auf, dass wir hier nur Männer auf der Straße sehen. Sie stehen zusammen und reden, trinken Tee oder spielen. Angeblich ist es üblich, dass die älteren Männer tagsüber unterwegs sind und auch erst abends wieder nach Hause in das Refugium der Frauen zurück kehren "dürfen". Seit ich das gelesen habe, muss ich immer etwas schmunzeln wenn ich die vielen Männer beieinander sitzen sehe. Vielleicht sind viele Dinge gar nicht wie sie scheinen... 

Während eines Familienmittagsschlafs im Rocky schrecken wir hoch von einem lauten Knall. Zuerst denken wir, es ist ein Vogel gegen das Blech geflogen oder ein Apfel auf's Dach gefallen, doch wir sehen nichts. Beim Fahren scheppert irgendwas metallisch vorne links im Radkasten. Was ist denn das? Es stellt sich beim Hochbocken heraus, dass die Feder gebrochen ist. Zum Glück fast ganz unten, der Rocky fährt normal und wir verschieben die Reparatur bis Istanbul.

In Kurucasile, einem netten Fischerort mit kleinem Hafen, werden Holzboote gebaut und wir dürfen sogar zuschauen. Einst entstanden hier die Galeonen für die osmanische Flotte und auch heute werden hier noch die schönsten Boote der Türkei gefertigt.

Unsere letzte Station am Schwarzen Meer ist Amasra. Die quirlige Hafenstadt liegt auf einer Halbinsel und einer Insel die mit einer Brücke aus dem 9. Jahrhundert verbunden sind. Wir spazieren zwischen vielen türkischen Touristen durch die Gässchen und am Hafen entlang, essen kleine Fische und Tulumba, ein fettiges klebrig süßes Gebäck. Lina bleibt stehen, als Musik aus einem Laden dröhnt und legt mitten in der Fußgängerzone eine Tanzeinlage hin. Die Türken sind begeistert! 

Und jetzt heißt es: Auf nach Istanbul! Wir sind gespannt und freuen uns sehr!

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Kommentare: 1
  • #1

    Gabie (Donnerstag, 20 Oktober 2016 19:33)

    Na,wie seid ihr zu nem kangal gekommen..da is ja euer zuhause auf 4 rädern schon halbvoll ...