"Warum heißt das Meer 'Schwarzes Meer'?"

Weil wir erstmal keine richtige Antwort auf Linas Frage haben, gibt sie sich diese kurzerhand selbst: "Weil es der Name ist!" Ja genau, ganz einfach eigentlich. Ansonsten ist es über 2000 Meter tief, ab 100 Metern gibt es keinen Sauerstoff mehr, eine bestimmte Algenart lässt es an manchen Stellen dunkel erscheinen und die alten Griechen nannten es schon das düstere, dunkle Meer.
Und da führt uns die weitere Reise hin. Erstmal verabschieden wir uns aber fast schon schweren Herzens von Mestia und den Bergen. Diesmal geht es das Tal bei Sonnenschein nach unten, wieder durch die vielen Tunnel und am grünlichen Inguri entlang. An einer der abenteuerlichen Hängebrücken halten wir an und trauen uns sogar auf die andere Seite. Ganz schön wackelige Angelegenheit!

Der Inguri wird immer breiter und wächst schließlich zu einem langgezogenen Stausee mit türkisgrünem Wasser an. Die Staumauer ist beeindruckende 271 Meter hoch und 750 Meter breit. Damit ist sie eine der höchsten Staumauern der Welt und schlägt sogar den Hoover-Damm. Auf Schautafeln sehen wir, dass es große Pläne für das Gebiet gibt: eine Seilbahn, Bootsfahrten, gläserne Besucherplattformen, ein Museum, Bungeejumping, ein Science Center und vieles mehr soll entstehen. Fehlt wohl nur noch die nötige Finanzierung, denn bisher gibt es nur eine vergammelte Aussichtsterrasse und den Weg auf die Mauer. Der steile Blick von dort nach unten und ins Tal ist allerdings gewaltig!

An der Abfahrt zum See ist ein fester Polizeikontrollposten und wir haben uns schon auf der Hinfahrt gefragt, ob der was mit der direkt angrenzenden autonomen Republik Abchasien zu tun hat. Im Kaukasus kam es immer wieder zu Konflikten und schweren Unruhen. Auch Südossetien hat sich von Georgien unabhängig erklärt. Beide Regionen sind für Touristen nicht zugänglich und das Auswärtige Amt rät auch dringend davon ab. 

Doch wir können ohne Kontrolle passieren, suchen noch einen Geocache an einem Wehrturm und kaufen Mandarinen und Khaki am Straßenrand. Auf dem Weg zum Meer ändert sich die Landschaft zusehends. Wir kommen durch ein hügeliges, stark bewaldetes Küstengebiet und fühlen uns fast wie im Regenwald. Es ist plötzlich ganz warm und die Luftfeuchtigkeit ist enorm gestiegen. Kein Wunder, wir befinden uns nun in der subtropischen Klimazone. Am Straßenrand werden Bambusleitern und geflochtene Schalen verkauft.

In Batumi verbringen wir drei Tage mit viel Sonnenschein und Meer. Die breite Strandpromenade ist sehr schön mit vielen Palmen und jeder Menge anderem Grünzeug angelegt, hier kann man bummeln, am Strand spazieren, Rad fahren und sich von dem wilden Gewusel der Stadt erholen. Wir wundern uns, wie viel überall gebaut wird und manche Gebäude scheinen schon wieder am Verfallen zu sein. Es gibt riesige Hotels mit sehr ausgefallener Architektur und teilweise erinnert uns das Ganze an den Größenwahn in Las Vegas. An zahlreichen Skulpturen kommen wir vorbei, die ausgefallenste ist wohl "Ali und Nino". Die beiden 9 Meter hohen Figuren bewegen sich langsam im Kreis aufeinander zu und verschmelzen dann. Sie sind die Hauptcharaktere aus einer Liebesgeschichte zwischen einer georgischen Christin und einem aserbaidschanischen Moslem. Symbolisiert werden soll Liebe, Frieden und Völkerverständigung.

Wir schauen der Freiwilligen Feuerwehr Edingen-Neckarhausen beim Aufhängen eines Banners zu und abends bewundern wir die bunten Dancing Fountains zu einer etwas strangen Musikauswahl. Da das Freibad trotz Wärme und Sonne schon geschlossen hat, verbringen wir einen Nachmittag im Spa eines großen Hotels. Übrigens mit direktem Blick auf Strand und Duschen. Duschen?? Na toll, da hätten wir uns ja die knapp 30 Euro sparen können. Dafür gibt es hier noch Sauna, Dampfbad, Whirlpool und viiiieeeel warmes Wasser dazu :-) 
Nicht nur wir brauchen Wasser, auch unsere Klamotten. Wir finden einen Waschsalon und geben 14 Kilo !! Wäsche ab. 

Auch hier lernen wir wieder mal nette Menschen kennen. Diesmal unter anderem ein Paar aus Mainz, die beiden besuchen gerade mit ihrer kleinen Tochter die Eltern der georgischen Frau und wir unterhalten uns sehr gut.
In Mestia hatten wir einen Weinhändler aus Batumi kennengelernt, der uns seine Adresse gab. Wir finden den kleinen Laden auch, er erkennt uns gleich wieder und schon startet die Weinprobe. Schwer bepackt mit zwei großen Kanistern laufen wir etwas beschwipst zum Rocky zurück. Der steht am Delphinarium und außer den üblichen Spacken in getunten Kisten ist es hier recht ruhig. Warum müssen überall junge Georgier im Kreis fahren und die Motoren aufheulen lassen? 

Schon oft haben wir es gesehen, aber noch nie gekauft: Tschurtschchela, das "georgische Snickers". Das sind Nüsse die an einer Schnur aufgefädelt und in fest gekochten Traubensaft getunkt werden. Ich dachte ja immer, dass es Kerzen sind ;-) Wir probieren eins und eigentlich schmeckt es gar nicht so schlecht. 

Was uns hier in der Stadt sehr auffällt, sind die vielen Bettler. Besonders Kinder sitzen oder stehen oft an Ampeln oder laufen zwischen den Autos durch. Manchmal mit kleinen Babys auf dem Arm. Das sehen wir so zum ersten Mal während unserer gesamten Reise.

Der letzte Tag in Georgien ist da und wir sind schon ein bisschen traurig. Es hat uns so gut gefallen in diesem kleinen Land, dass wir über drei Wochen hier waren. Und da wir immer noch kein Chatschapuri mit Ei gegessen haben, holen wir das im "Laguna" nach. Wir können uns nach ca. 25.000 Kalorien in Form von Butter, Ei und Käse kaum noch bewegen, aber es schmeckt einfach sensationell! 

In der letzten Nacht steht noch ein Schweizer mit seinem Wohnmobil bei uns auf dem Parkplatz. Er besucht einen Freund der in der Nähe irgendwo an der Küste einen Campingplatz betreibt. 
Bis zur türkischen Grenze ist es nicht weit und eine lange LKW-Schlange weist uns den Weg. So unkompliziert war noch keine Grenze bisher, in einer knappen halben Stunde sind wir durch, Lina und ich müssen noch nicht mal aussteigen. 

Zu einem der Beamten auf türkischer Seite sage ich noch etwas unsicher "Merhaba", er lächelt mich freundlich an und gibt uns damit einen Vorgeschmack auf sein Land. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ela (Freitag, 14 Oktober 2016 22:38)

    Guten Abend Christiane, Michi und Lina,
    es kommt mir vor wie eine Ewigkeit das ich von euch lese, dabei ist es erst eine Woche her. Bestimmt weil meine Woche so vollgepackt war.
    Die Berichte und Bilder aus Georgien sind total schön. Man sieht euch richtig an, dass es euch dort gut ging. Man bekommt auf jeden Fall Lust, sich dieses Land mal abzusehen.
    Habt ihr eigentlich so ein süßes Hündchen mitgenommen? Steht euch gut