Auf den Spuren der Seidenstrasse

So, Kasachstan die Zweite. Vor uns liegen 2200 Kilometer bis zur russischen Grenze, die wir in 12 Tagen bewältigen müssen, denn dann beginnt unser Russland-Transitvisum. Wenn die Straßen gut sind, sollte das ohne Probleme zu schaffen sein. 
Die Straßen sind sehr gut und wie wir es schon aus Kasachstan kennen, zeigt sich eine hohe Polizeipräsenz. Der Verkehr ändert sich im Gegensatz zu Kirgistan schlagartig. Man merkt den Autofahrern die große Unsicherheit und Angst vor Kontrollen an. Es wird teilweise übertrieben langsam gefahren oder abrupt gebremst. Das kann doch auch nicht im Sinne des Erfinders sein... Wir versuchen uns an jede noch so schwachsinnige Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten, fragen uns aber schon, warum man 60!! Kilometer lang auf einer zweispurigen Fahrbahn 40 km/h fahren soll.... Auch dass bei Kontrollen nicht eindeutig ist ob man anhalten soll, können wir nicht verstehen. Und so fahren wir zwei mal einfach weiter als Polizisten mit ihrem Stöckchen wedeln. Ein anderes Mal halten wir an und der Polizist bringt uns zur Weissglut mit seiner Zeitschinderei. Da er uns nichts vorwerfen kann, will er uns wohl damit ein paar Tenge entlocken. Tja, dumm gelaufen und deutsche Souvenirs gibt's auch nicht! Bäh!

Unser Weg durch Südkasachstan beginnt in Taraz, einer der ältesten Städte des Landes. Hier, ganz in der Nähe von Usbekistan, verlief einst die Große Seidenstraße. Viele wertvolle Güter wurden in großen Karawanen auf Kamelen von und nach Indien und China transportiert.

Den ersten Abend verbringen wir an einem Mausoleum kurz hinter Taraz. Während Michi Schaschlik grillt, werden die Schafe an unserem Rocky vorbei getrieben, es wird langsam dunkel und endlich kühler, der Muezzin ruft von der nahen Moschee, die Grillen geben ein Konzert, Hunde bellen und der Sternenhimmel wird immer voller.

Nach dem Frühstück gehen wir rüber in den schön angelegten kleinen Park in dem das Mausoleum von Aysha-Bibi und das ihrer Kinderfrau aus dem 11.-12. Jahrhundert steht.
Laut einer Legende erschuf einst ein Herrscher das aufwendige Bauwerk für seine Geliebte. Sie trotzte dem Verbot ihrer Eltern und machte sich auf dem Weg zu ihm, doch leider wurde sie von einer Schlange gebissen und starb. Heute ist der Ort ein Symbol der Treue und Liebe, viele Paare besuchen ihn am Tag ihrer Hochzeit, denn es soll Glück bringen.

Zurück auf dem Parkplatz treffen wir eine Gruppe Reisender aus Südtirol. Sie kommen auch wegen der Liebe her, allerdings wegen ihrer Liebe zu Äpfeln. Denn die Wiege des Apfels erklären sie uns, liegt in Kasachstan. Und wir erklären ihnen, dass die Hessen daraus Äppler machen ;-)

Wir entschließen uns, nicht über Shymkent weiter zu fahren, sondern etwas nördlicher durch das Qarataugebirge, ein Ausläufer des Tien Schan. Es soll hier Felszeichnungen geben und nach einigem Fragen und Suchen, finden wir schließlich auch das gemeinte Gebiet. Doch gibt es hier keine Hinweisschilder und man muss wohl selbst durch die Steppe stiefeln und suchen. Bei Mittagshitze mit einer müden Lina leider nicht möglich und dann stehen wir auch noch plötzlich vor einer Schranke. Hier scheint eine Mine zu sein und die haben mal eben die Straße gesperrt. Wir dürfen nicht weiter fahren erklärt uns der Uniformierte und nach seinem Telefonat mit dem Vorgesetzten heißt es für uns umkehren. Na prima! 
Aber landschaftlich ist es dort sehr schön, wir sehen die ersten Kamele, ausgetrocknete Salzseen und bizarre Gesteinsformationen.
Wieder zurück auf der Hauptstraße gelangen wir nach Turkistan, dem wichtigsten Pilgerort des zentralasiatischen Staates. Hier steht das gewaltige Mausoleum von Khoja Ahmed Yasawi, ein bedeutender Mystiker und Poet. Umgeben von einem Park voller Rosen zieht einen das riesige Eingangstor an, die Kuppeln von Moschee und Mausoleum schillern in Blau- und Türkistönen. Schnell noch ein Kopftuch überziehen, Michi hat schon lange Hosen an und schon treten wir erwartungsvoll ein. Doch das Innere ist ernüchternd. Weiß getünchte Wände, ein paar Schautafeln und Glaskästen. Fertig. Lina rennt ein paar mal laut quietschend quer durch die Moschee, immerhin barfuß. 
Wieder draußen werden wir erschlagen von der flirrenden Sonne. Im schattigen Park beobachten wir die anderen Besucher und schmunzeln über junge kasachische Frauen die vor dem Betreten des Heiligtums nochmal schnell am eigentlich viel zu kurzen Röckchen zubbeln und ein seidiges Tüchlein um den Kopf legen. 

Die Strecke in Richtung Nordwesten führt uns durch die am dünnsten besiedelste Gegend ganz Kasachstans. Das Nichts bekommt eine neue Dimension, hier ist wirklich gar NICHTS. Da freut man sich doch über jedes Kamel was am Straßenrand rum gammelt! 

Aber bis Aralsk gibt es dann doch noch ein paar Highlights, danach war's das dann wirklich. Da haben nämlich die meisten Tankstellen keinen Diesel, es gibt noch nicht mal mehr Polizeikontrollen und sogar die Sonne macht ne Pause.

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Kommentare: 1
  • #1

    gabie schaefer (Freitag, 09 September 2016 12:04)

    Meine mama und ich schaun uns grade eure reiseberichte und die vielen fotos an und sind schon ganz neidisch...was ihr alles erleben dürft! Und wir sind in einer woche auf hoher see richtung england. Glg von gertrud und gabie