Die Versöhnung

Wir verlassen Almaty in Richtung Osten zum Charyn Canyon in der Hoffnung, das wir nicht gleich wieder in einer Polizeikontrolle landen. Es ist schon später Nachmittag und bis zum Canyon schaffen wir es nicht mehr. Also biegen wir ab von der Hauptstraße und suchen einen Platz am Fluss. Der türkisfarbene Strom kommt vom Stausee Bartogaj in den Bergen und schlängelt sich hier durch das Tal und alle Gassen der kleinen Orte bis vor die Haustüren.
Der nächste Morgen beginnt mit Waschen im eisig kalten Flusswasser, Christiane wäscht sich die Haare und auch Lina's Puppe bleibt nicht verschont. Frisch und sauber machen wir uns auf zum Canyon. Die Landschaft ist staubig und rau. Links von der Straße ist alles flach und rechts steigen die Berge an. Die letzten 10km geht es über holprige Wellblechpiste. Fast wie in der Mongolei.
Am Eingang zum Nationalpark müssen wir uns in zwei Bücher eintragen, bezahlen für zwei Tage und nachdem der Ranger noch einen lächelnden Blick in unseren Rocky geworfen hat, öffnet er den Schlagbaum. Jetzt noch ein paar hundert Meter zum Parkplatz fahren und wen erblicken wir da?
Das Zebraauto mit Marianne und Uli. Was für eine Überraschung! Es gibt viel zu erzählen. Lina freut sich ganz besonders Marianne wiederzusehen und so vergeht die Zeit wie im Flug. Die Sonne brennt heiß, aber das Zebra spendet uns Schatten. Lina bekommt selbst gestrickte Grenzsocken geschenkt und für Uli gibt es dafür eine neue Sitzfläche für seinen Hocker. Hoppla! Schon 17 Uhr! Wir wollten doch noch in den Canyon! Bevor die Sonne untergeht, machen wir uns die Treppenstufen runter. Marianne und Uli waren am Morgen schon unten und wollen nicht noch mal mit. Rund zwei Kilometer sind es bis zum Charyn Fluss im Canyon, vorbei an beeindruckenden Sandsteinformationen. Im Eco-Camp finden wir noch einen Geocache und erfrischen uns mit Saft und Bier für den Rückweg. Erschöpft und glücklich kommen wir kurz nach Sonnenuntergang und bei Vollmond wieder oben am Rocky an. Nach dem Abendessen lassen wir den Abend noch zu fünft im Vollmondschein ausklingen. Lina träumt von funkelnden Sternen nachdem sie von Mariannes Wunderkerzen in den Schlaf gebracht wurde. 
Morgens beim Frühstück beobachten wir viele Mäuse die neben uns ihren Bau haben und reichlich Gras und Zweige hinein schaffen. Nach einer kurzen Fahrt zum Gate, wo gerade ein Film fürs Kasachische Fernsehen gedreht wird, ziehen wir mit Marianne und Uli nochmal los um ihren ersten Geocache zu finden. Nach kurzem Suchen hält Uli auch schon den Schatz in der Hand. Leider trennen sich jetzt auch schon wieder unsere Wege. Das Zebra fährt weiter nach Almaty und wir Richtung Grenze nach Kirgistan. Es wird aber sicherlich nicht das letzte mal sein.
Die Landschaft auf dem Weg zur Grenze ist wunderschön. Es geht durch die Berge, noch einmal durch den Canyon und durch weite immer grüner werdende Ebenen mit vielen Tieren. Die letzen Tage und Kilometer durch Kasachstan, ohne Polizei Kontrolle, haben uns super gefallen. Und nachdem wir auch die Grenze mit freundlichen Grenzern in Rekordzeit von nur 10min hinter uns gelassen haben, Lina konnte gar nicht so schnell ihren Lolli lutschen, sind wir jetzt fast wieder versöhnt mit Kasachstan. Wir müssen ja schließlich noch mal wieder kommen.

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