Heißes Großstadtpflaster und kaltes Gletschereis

Nach vielen heißen und anstrengenden Stunden auf sehr holprigen Schlaglochstrassen, nähern wir uns Almaty. Bevor wir uns ins Großstadtgetümmel stürzen, erfrischen wir uns noch im Kapschagaj Stausee und freuen uns anschließend über beste Teerstrasse. In Almaty steuern wir als erstes die Touristeninformation an, um ein paar Infos über die Stadt zu bekommen und vielleicht einen Tipp wo wir schlafen können. Obwohl an dem kleinen Büro groß "Tourist Information Center" steht, scheinen wir hier falsch zu sein, die junge Dame schickt uns in sehr gebrochenem Englisch einen Block weiter. Der junge Mann dort spricht auch nicht viel besser englisch, was uns doch sehr wundert. Die ehemalige Hauptstadt Kasachstans (das neunt größte Land der Erde) hat immerhin über eine Million Einwohner, gibt sich sehr schick und modern, überall wird für die Expo 2017 in Astana geworben. Leider ist er zusätzlich auch nicht sehr motiviert und meint nur, wir sollen nach Medeu ins Skigebiet fahren, da wären alle Touristen. Dass wir mit Wohnmobil in der Stadt sind und einen Stellplatz suchen, damit kann er gar nichts anfangen.

Egal, wir finden schließlich beim Zirkus einen Parkplatz mit viel Schatten, es gibt eine große  Hüpfburg für Lina und abends entdecken wir das "Entrecote Garden". Ein sehr schönes Restaurant mit einem großen Gartenbereich und Spielplatz. Perfekt für Familien mit Kindern. Lina geht sofort auf Entdeckungsreise und wir staunen, dass sie breit grinsend immer wieder zu uns kommt mit Überraschungen aus dem Kaugummiautomaten in ihren klebrigen Händchen. 
Als wir abends gerade kurz vor dem Einschlafen sind, hören wir, dass ein Auto neben uns hält. Türen schlagen, Stimmen, Taschenlampenschein ... Polizei. Ja prima, hatten wir ja auch heute noch gar nicht. Ich stehe auf und öffne die Tür. Die Polizisten wollen nur wissen, ob wir Deutsche sind und fahren weiter. 
Am nächsten Tag erkunden wir zu Fuß die Stadt. Es ist sehr heiß! Gut, dass es so viele Bäume und Parks gibt! Um rechtzeitig bei der russischen Botschaft zu sein, fahren wir ein paar Stationen mit der Metro. Verfahren kann man sich nicht, denn es gibt nur eine Linie und überall hängen Pläne mit den Stationen. Wir schmunzeln, als der Mann am Fahrkartenschalter uns auch noch einen großen Plan in die Hand drückt. 
Die Botschaft hat nur dienstags und freitags ein paar Stunden für Visaangelegenheiten geöffnet. Und dementsprechend viel ist auch los, als wir dort pünktlich ankommen. Es hat sich schon eine lange Schlange gebildet. Aber zum Glück werden wir von dem netten russischen Beamten in zwei Gruppen aufgeteilt die getrennt bearbeitet werden. Russen und Nicht-Russen. Während wir bestimmt eine Stunde im Hof stehen, haben wir viel Zeit uns mit den anderen Wartenden zu unterhalten und Lina hat eine kleine kasachische Freundin mit amerikanischem Pass gefunden, mit der sie sehr süß spielt. Besonders interessant ist die Begegnung mit einem jungen Russen, der uns auf deutsch anspricht. Er studiert Deutsch in Kasachstan und war unter anderem auch schon mal in Frankfurt. Nochmal eine Stunde später haben wir es geschafft und können am Dienstag Dank Expressbearbeitung unsere Visa abholen.
Ursprünglich war ja unser Plan, mit der Fähre über das Kaspische Meer zu fahren. Doch es stellt sich heraus, dass sie sehr teuer ist und man auch nie weiß, wann und ob sie fährt. Da wir ohne Visum nur 15 Tage in Kasachstan bleiben können, ist uns das Risiko zu hoch den Aufenthalt zu überziehen und Strafe zahlen zu müssen. Wir wollen nicht noch öfter mit dem Gesetz hier in Konflikt geraten, das wird uns auf Dauer zu teuer. Also ist unser aktueller Plan, dass wir schnell mit der Visabeschaffung voran kommen, innerhalb der 15 Tage nach Kirgistan ausreisen um dann bei erneuter Einreise nach Kasachstan wieder 15 Tage zu haben. Dann brauchen wir das russische Transitvisum um durch Russland nach Azerbaidschan zu kommen. Dort bleiben uns wahrscheinlich nur wenige Tage, da das Visum auch wieder begrenzt auf einen Monat ist und wir durch die geänderten Pläne etwas später dran sind. Aber bis dahin ist ja noch Zeit und ab Georgien gibt es dann auch keine Probleme mehr was Visa und feste Daten angeht.
Michi zieht es abends nochmal raus in die warme Sommernacht und er erkundet das Nachtleben. Im Hard Rock Café wird auf der Theke getanzt und Burger schmecken früh morgens genauso gut wie bei uns ;-)
Da wir ja jetzt ein paar Tage Zeit haben, wollen wir die Umgebung der Stadt auskundschaften. Fährt man durch die Straßen, blitzen an vielen Stellen die schneebedeckten Gipfel der umliegenden knappen 4000er durch. Da Wochenende ist, scheint die ganze Stadt auf den Beinen zu sein und so schlängelt sich eine lange Autoschlange den schmalen Weg nach oben zum Großen Almatiner See. Denkt man sich die vielen Autos und Menschen weg, ist es hier wirklich sehr schön und das Grün des Sees beeindruckt uns. Und so gehen wir nichtsahnend auch unten an das Ufer, an einem Schild vorbei was wir nicht lesen können, vor uns laufen zwei junge Männer, wir machen Fotos und auf einmal erscheint ein Soldat. Er winkt uns und die anderen beiden zu sich. Wir ahnen es schon, die nächste Strafe kommt auf uns zu. Hatten ja schließlich auch schon zwei Tage ohne Kontrolle in Kasachstan verbracht. Es stellt sich heraus, dass wir in einem Militärsperrgebiet sind. Die beiden anderen zeigen ihre Pässe, werden ermahnt und dürfen gehen. Wir nicht. Es wird noch ein Kollege herbei gerufen und mittels Google-Übersetzer geht es hin und her. Dass wir hier nicht sein dürfen haben wir ja verstanden, was wollen die denn noch von uns? Schließlich rückt er raus und fast schon müssen wir lachen als er 20 000 Tenge von uns verlangt. Mal was ganz Neues.... Okay, dann schreibt doch bitte ein Protokoll. Mit viel Theatralik zückt der ältere Kollege seinen Block und setzt sich erstmal hin. Der jüngere erklärt uns inzwischen, dass er auch nicht mit den Kopien unserer Pässe zufrieden ist. Aber die sind ja nun mal auf der Botschaft. Ich weiß nicht, wie lange sich dieses Schauspiel noch hingezogen hätte, aber scheinbar wird den beiden dann irgendwann klar, dass wir ohne Protokoll nicht zahlen und uns auch nicht einschüchtern lassen. Ganz schnell wendet sich das Blatt als ein junges Paar den Berg hinunter kommt. Scheinbar kennen sie sich. Die Frau spricht gut englisch und übersetzt für uns "Wir wussten nicht, dass wir hier nicht runter laufen dürfen. Es tut uns so leid. Wir tun es nie wieder!" Und schon dürfen wir gehen. Ohne Strafe. Da fehlen einem die Worte....

Am Montag ist viel weniger los und wir fahren mit der Seilbahn hoch auf den Gipfel des Shymbulak. Für drei Bahnen bezahlen wir nur ca. 18€ zusammen. Auf 3200 Metern ist es um einiges kühler als unten in der heißen Stadt, das tut gut. Wir genießen die Sicht auf den Gletscher, wandern ein bisschen, finden einen Geocache und machen schon wieder eine komische Erfahrung mit den Kasachstanern. So bezeichnet man übrigens die gesamte Bevölkerung des Landes die sich in Kasachen, Russen, Usbeken, Ukrainer, Koreaner und Deutsche aufteilt. Jedenfalls stehen wir auf einem Hügel vor dem Gletscher und machen Fotos. Da kommen zwei ältere Männer auch zu uns hoch. Der eine will den anderen fotografieren und winkt uns dass wir rüber gehen sollen. Hätten wir auch gemacht wenn er nicht direkt auch noch auf Russisch sehr unfreundlich rüber gebrüllt hätte. Ich kann es nicht fassen, sowas habe ich noch nie erlebt und schimpfe auf deutsch zurück. 

Die gute Laune lassen wir uns trotzdem nicht verderben und sitzen noch eine Weile auf den gemütlichen Sitzsäcken eines kleinen Cafés an der Seilbahnstation. Als es sich zuzieht und immer kühler wird, kommt auf einmal ein Mann mit asiatischem Aussehen zu uns: "Hallo! Ich hab gerade deutsch gehört....!" Wir kennen uns schon, gestern haben wir ihn auf dem Weg zum See mit seinem holländischen Anhalter getroffen. Ich frage ihn, woher er kommt. "Aus Berlin. Aber nicht ursprünglich." Hm, das hatten wir uns irgendwie schon gedacht. Da sagt er trocken: "Ich komme nämlich aus Österreich." Ich falle fast von meinem Sitzsack vor Lachen! Er erzählt weiter: Also der Österreicher, der jetzt in Berlin lebt, kommt eigentlich aus China und ist schon eine ganze Weile unterwegs. Er zeigt uns Fotos vom Issyk Kul See in Kirgistan, unserem nächsten Reiseziel und schenkt Lina noch zwei Lollis. Super, die nächsten Grenzen sind gesichert ;-) Wir laufen ein Stück des Weges runter ins Tal und merken schon beim Abstieg, dass sich da ein ordentlicher Muskelkater ankündigt. Warum die Leute nicht einfach ihren Müll mitnehmen können, sondern er überall in der Natur verteilt wird, verstehen wir nach wie vor nicht und auch überquellende Mülleimer sind zum gewohnten Anblick geworden. Michi hat dazu seine eigene Theorie: "Hier steckt die Müllabfuhr wohl nur alle zwei Wochen die Mülltonnen an!" 

Am Dienstag holt Michi die Visa ab, wir bummeln über den Grünen Bazar auf dem es ALLES zu kaufen gibt und geben einen riesigen Haufen Wäsche im Waschsalon ab. Die Dame im weißen Kittel ist entsetzt, dass wir Helles, Dunkles, Bettwäsche und Jacken bunt durcheinander in die zwei Waschmaschinen stopfen, aber zwei Stunden später können wir drei große Tüten frischer trockener Wäsche abholen, die sogar zusammen gelegt wurde. Super!

Almaty mit den vielen schicken SUVs, dem allgegenwärtigen "Sehen und gesehen werden", Vordrängeln bei jeder Gelegenheit und den Polizisten an allen Ecken, konnte uns nicht so richtig begeistern und so freuen wir uns, wieder weiter ziehen zu können. 

In den Außenbezirken wird allerlei am Straßenrand verkauft. Vor allem stapelweise Wassermelonen. Daneben meist große Schilder auf denen der Kilopreis steht. Michi der peinlich genau auf jedes Verkehrsschild achtet, ist davon etwas irritiert: "Ist das jetzt die Geschwindigkeitsbegrenzung oder der Preis für die Wassermelonen??" ;-)

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Kommentare: 1
  • #1

    gabie (Mittwoch, 24 August 2016 01:29)

    Schön wieder von euch zu hören..bei dem so wunderbar präsentierten obst bekommt man ja riesenappetit, auf die schweineköpfe verzichte ich dann lieber..;) wie war der caesar salad, sah lecker aus..lg aus berlin