No Rain, no Rainbows

... sagte damals Annie in Südafrika zu uns und an den Satz müssen wir in diesen Tagen oft denken. Denn es gibt viele Hochs aber auch einige Tiefs, Regen und Sonnenschein, anstrengende Fahrten und schöne Begegnungen. 
Nachdem wir lange Strecken auf staubigen und holprigen Pisten hinter uns haben, genießen wir es sehr, auf der Teerstrasse zwischen Delger und Altai plötzlich und ganz unerwartet so schnell vorwärts zu kommen. Es regnet und wir füllen in einem der vielen Supermärkte unsere Vorräte auf. Mittags essen wir an einem kleinen Tempel bei geschlossener Rockytür Suppe. Als der Regen nachlässt, hüpfen kleine Jungs um den Rocky herum und machen "Klingelstreich". Sie klopfen immer wieder und rennen weg. Als ich plötzlich die Tür mit einem lachenden "BUH" öffne, laufen sie erschreckt davon, trauen sich aber später doch nochmal zurück zu kommen.

Unseren Nachtplatz finden wir auf einem Hügel in der Nähe des Flugplatzes zwischen zwei Ovoos. Seit dem Mittag macht unser Kühlschrank komische Geräusche und Michi nimmt ihn kurzerhand auseinander. Vielleicht hat er zu viel Staub abbekommen. Während Lina und ich drinnen kneten und mit Wasserfarbe malen, gesellt sich ein junger Ziegenhirte der seine Herde in der Nähe grasen lässt, zu Michi und weicht ihm wortlos nicht von der Seite bis der Kühlschrank wieder zusammen gebaut ist. Und er funktioniert wieder ganz normal! Juhu!

Bevor wir am nächsten Tag starten, drehe ich noch drei Runden um einen der Ovoos, kann ja nicht schaden! Und wie sehr wir für diesen Tag Glück auf der Reise brauchen, habe ich da noch nicht geahnt. Denn es sollte der spannendste Tag der gesamten Fahrt durch die Mongolei werden. 

Direkt nach der Stadt geht es weiter mit Schotterpiste und einer "Baustelle". Manchmal kann man  auf der halb fertigen Piste fahren, mal auf den hubbeligen Pfaden nebenan. Man weiß nie genau, wo der wirkliche Weg lang führt und steht immer wieder vor Sandhaufen, Löchern oder Steinen um die man drumherum fahren muss. Und dann plötzlich: Wasser! Ein Bach fließt über den Weg. Wir steigen aus und laufen durch. Halb so schlimm! Nicht tief und fester Untergrund. Puh! 
Kaum haben wir unsere erste Wasserdurchfahrt geschafft, stehen wir schon vor der nächsten. Und so geht es weiter. Durch wieviele Flüsse und Bäche wir letztendlich gefahren sind, weiß ich schon gar nicht mehr, aber es nimmt kein Ende! Und immer wieder das gleiche Spiel: anhalten, die Tiefe der Fuhrt testen, Alternativen suchen, anderen Autos bei der Durchfahrt zuschauen und dann Augen zu und durch. Die meisten Jeeps fahren einfach so durch, aber wir ohne Allrad und wenig Bodenfreiheit müssen da schon sehr genau überlegen was wir schaffen und was nicht. Als uns ein kleiner Pkw entgegen kommt und das Wasser bis über das Dach spritzt, als er tief mit der Schnauze nach unten taucht, sind wir froh, diesen Weg nicht gefahren zu sein und wählen einen anderen durch das schlammige braune Wasser. Wie diese Strecke aussieht, wenn es mal mehrere Tage am Stück regnet, wollen wir uns lieber nicht vorstellen.

Als wir an einer eingestürzten Brücke stehen, sind wir erstmal ratlos. Die Autos mit Allrad fahren dran vorbei durchs Wasser, einen für den Rocky zu steilen Weg hoch und die kleineren Autos fahren unter der kaputten Brücke durch auf die andere Seite. Da passen wir nicht durch! Und jetzt? Umdrehen und versuchen das Ganze weiträumig zu umfahren. Klappt zunächst gut, aber dann stecken wir plötzlich im Schlamm fest. Mist! Lina schläft, Michi hantiert in der Hitze mit Wagenheber und Keilen. Trotz unserem dicken Holzbrett versinkt der Wagenheber immer wieder im Schlamm und rutscht weg. Hier gibt es weder Steine noch Holz zum Unterlegen, aber nach einigen Versuchen klappt es dann und im Rückwärtsgang geht es raus aus dem Matsch! Lina wird wach und wundert sich, warum wir rückwärts fahren. Erleichtert finden wir einen Weg der noch weiter um die Brücke herum führt und kommen auch gut durch den Fluss, der weiter oben viel flacher ist. 

Jetzt noch einen guten Schlafplatz finden und dann keinen Meter mehr weiter fahren. Das reicht an Aufregung für heute! Wir kommen an einer kleinen Siedlung Kamelnomaden und großen Herden der schönen Tiere vorbei. Dahinter bleiben wir stehen und um uns herum ist nichts als Steppe und ein wunderbarer Ausblick auf die Berge rundherum.

Am späten Nachmittag hält ein großer LKW an und heraus steigt der Fahrer mit seinem Sohn. Die beiden sind sehr nett, schauen sich interessiert unseren Rocky an, wir trinken ein Bier zusammen und sie erzählen uns wie die Strecke in Richtung Ölgii weiter geht. Informationen aus erster Hand sind immer gut und wir hören erleichtert, dass es bald wieder leichtere und sogar geteerte Abschnitte gibt!

Aber bevor wir weiter fahren, verbringen wir noch fast einen halben Tag bei Marianne und Uli aus Münster in ihrem Zebramobil. Das lustige Wohnmobil war uns schon in Altai aufgefallen, als wir aus der Stadt heraus fuhren und so freuen wir uns sehr, als die beiden morgens bei uns anhalten. Sie laden uns zu Kaffee, Apfelsaft und Milch für Lina ein und kleine Geschenke gibt es für sie sogar auch noch. 

Nach einem weiteren Tag staubiger Piste und einem Seeufer voller Mücken vor denen wir schnell wieder das Weite suchen, kommt uns hinter Darvi die Teerstrasse sehr gelegen. Recht schnell sind wir in Markhan und es kommt zu einem völlig ungeplanten freudigen Wiedersehen. Wir stellen uns mit dem Rocky an einen Fluss und kurze Zeit später tauchen Geeske und Steven auf, die beiden kennen wir vom Campingplatz in Moskau! Wir tauschen Reiseberichte aus, denn die beiden kommen aus der Richtung in die wir fahren und umgekehrt. Gegen Abend stoßen dann noch überraschend Uli und Marianne dazu und wir haben trotz kurzen Gewittern und Mückenschwärmen einen sehr netten Abend! Und als die Sonne wieder scheint, stehen unsere drei Autos unter einem kompletten Regenbogen! Wie schön!

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den Niederländern, die beiden wollen durch die Mongolei, dann noch weiter durch Asien und vielleicht sogar bis nach Australien reisen. Marianne und Uli werden wir sicher noch öfter begegnen, denn sie haben ähnliche Pläne wie wir.

In dem nächsten Städtchen Khovd machen wir einen Spaziergang und sind erstaunt wieviele Restaurants und Karaoke Bars es gibt. Wir essen in einem mongolischen Schnellimbiss zu Mittag. Für wenig Geld gibt es leckere Buuz, Kushur und Kartoffelsalat samt Tee.

Mir ist den ganzen Tag schon irgendwie blümerant und ich weiß nicht wovon, aber die nächsten drei Tage kämpfe ich mit Durchfall und Übelkeit. Das verträgt sich nicht wirklich mit dem Fahren auf Schotterstraßen, dann stecken wir auch noch an einem See im Sand fest, müssen rausgezogen werden und in einem Sturm bricht unsere Markise ab. Tolle Wurst!

Also sind wir alle sehr erleichtert, als wir uns auf glatter Teerstrasse auf Ölgii zu bewegen, mit Blick auf die schneebedeckten Berggipfel des Altaigebirges.

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