Dünen, Klöster und staubige Pisten

Als wir nach einem kurzen Abstecher zu den kleinen Dünen nahe des Hustai Nationalparks wieder auf der Teerstrasse sind, kommen wir gut vorwärts auf dem Weg in Richtung alter Hauptstadt des mongolischen Reiches Karakorum.

Die Landschaft ist wunderschön und wir sehen immer wieder große Herden Schafe, Ziegen, Pferde, Kühe und Kamele. Während unserer Mittagsrast hören wir auf einmal Stimmen hinter unserem Rocky. Auf französisch lesen mehrere Männer die Landeskennzeichen unserer Route die wir auf die Seite gemalt haben. Wir öffnen die Tür und es erscheinen drei Franzosen in Motorradkluft. Wir plaudern ein bisschen und einer von ihnen erzählt von der Mini-Gobi. Hört sich mit seinem französischen Akzent sehr lustig an und er scheint die Dünen zu meinen, die wir auch ansteuern.

 

Mal wieder durch einen Geocache finden wir einen ganz besonders tollen Schlafplatz. Auf einem Hügel gelegen, an ein paar Felsen, mit weitem Blick über das Tal und die Dünen Elsen Tasarchaj. Außer Ziegen und Schafen hört man nichts und begeistert schauen wir uns den Sonnenuntergang an.

 

Morgens reitet ein Hirte vorbei und wir fahren wieder über die Piste zurück auf die Teerstrasse. Nach einem kurzen Stück biegen wir zu den Dünen ab. Es ist sehr heiß und so machen wir nur einen kurzen Spaziergang durch den hellen Sand. Viele Kamele und Pferde stehen hier bereit für kurze Ausritte und Fotos mit Touristen. Wir lernen eine mongolische Familie aus Ulan-Bator kennen und sind ganz überrascht, dass das Paar deutsch spricht. Wie sich heraus stellt, haben sie einige Jahre in Kaiserslautern gelebt. Lustig!

Wir hatten uns ja vorgenommen, ab jetzt mit allen Touristen zu sprechen die wir treffen, um möglichst viele Informationen über die Strecken Richtung Ölgii aus erster Hand zu erhalten. Und nach ein paar Minuten stehen rechts an einem Ger-Camp plötzlich gleich mehrere Wohnmobile mit deutschen und schweizer Kennzeichen. Prima! Es ist eine Selbstfahrer-Gruppe von dem Reiseveranstalter "Seabridge" und der Reiseleiter kennt sich sehr gut aus. Er nennt uns viele Details zu den Streckenverläufen und erzählt, dass er mit seiner Gruppe auch die Südroute fährt, zu der uns Zula geraten hat. Nun sind wir ganz sicher und freuen uns, dass wir uns darüber nun keine Gedanken mehr machen müssen.

 

Auf einem Hügel sehen wir das Kloster Erdene Chamb liegen und bekommen schon einen kleinen Vorgeschmack auf das beeindruckende Kloster Erdene Zuu. Dort auf dem Parkplatz wimmelt es von kleinen Buden, Autos und Menschen. Viele Mongolen, aber auch Touristen aus allen möglichen anderen Ländern kommen hierher um sich die Tempel anzuschauen. Wir drehen Gebetstrommeln, beobachten Mönche bei ihren Zeremonien und wie immer ernten wir durch Lina viele Blicke aus lächelnden Gesichtern. Wir essen ein paar Khushur und kaufen noch drei Eis auf dem Rückweg zum Rocky. Um das Auto was sehr dicht neben uns geparkt hat, wuselt eine Familie mit einem Haufen Kinder herum. Der kleine Junge hat einen Narren an Lina gefressen und schaut sie fortwährend an. Ich drücke ihm mein noch eingepacktes Eis in die Hand und kurz später sind drei der Kinder in unserem Rocky, während ihre Mama Fotos aus dem Auto schießt. 

 

Die folgende Nacht ist sehr stürmisch und gut durchgeschüttelt geht es morgens weiter in Richtung Bayanhongor. Wir kommen gut voran und treffen zufällig mittags bei einer Rast nochmal die Seabridge-Truppe. Sie wollen die Nacht an einer großen Brücke am Fluss vor Bayanhongor verbringen. Das klingt gut, finden wir und steuern auch diesen Platz an.

 

Wie gewohnt, stehen nach kurzer Zeit zwei mongolische Großfamilien rechts und links von uns. Den Seabridgelern ist es wohl zu laut und sie fahren nach und nach nochmal ein Stückchen weiter am Fluss. Wir bleiben da, Lina wird schon wieder beschenkt, wir plätschern ein bisschen im Wasser und sitzen abends am Feuer. Ein älterer Mann kommt immer wieder und schichtet unser Feuerholz um und die Oma der Sippe bittet uns, das Feuer nachher zu löschen. Die scheinen uns Deutschen was Feuer angeht nicht so viel zuzutrauen und haben Angst, dass wir ihre Zelte abfackeln!

 

Morgens laufen ein paar Pferde direkt am Rocky vorbei, die Mongolen sind am Einpacken und die Deutschen verschwunden. Auf dem Naadamfest in Bayanhongor treffen wir einige von ihnen wieder, der Reiseleiter hatte uns freundlicherweise davon erzählt. Und so sitzen wir im Stadion, schauen uns die festliche Eröffnung mit Gesang und Tanz und ein paar traditionelle Ringkämpfe an. Nebenan findet das Bogenschiessen statt und da wir ja schon beim Pferderennen waren, sind die drei Wettkämpfe der mongolischen Olympiade nun komplett.

Und dann beginnt das Pisten-Abenteuer. Ende der Teerstrasse. Hinter Bayanhongor ziehen sich sandige Pisten in alle Richtungen. Welcher der vielen Spuren sollen wir folgen? Welche ist die richtige? Welche ist die beste für unseren Rocky? Wir stellen bald fest, dass es "die eine richtige Spur" nicht gibt und man sich mit Hilfe der GPS-Position auf der elektronischen Karte irgendwie seinen Weg durch dieses Labyrinth bahnen muss. Wir werden ganz schön durchgeschüttelt und kommen nur langsam vorwärts. Da wir keinen Allrad und nicht allzu viel Bodenfreiheit haben, müssen wir ziemlich vorsichtig fahren. Trotzdem setzt der Rocky immer wieder mal auf bei besonders tiefen Löchern. Die Fahrt ist sehr anstrengend, da man ständig ganz schnell entscheiden muss, wo man lang fährt und sehr aufpassen muss um nicht stecken zu bleiben oder aufzusetzen. Als wir schon den nächsten großen Fluss, unser Etappenziel, vor Augen haben, rumpelt der Rocky nochmal fest mit dem Bodenblech auf den steinigen Weg und mit plötzlich lauten Fahr-Geräuschen erreichen wir den ersehnten Platz am Fluss. Wir sind total erledigt! Hoffentlich hat der Rocky keinen größeren Schaden davon getragen. Auf den ersten Blick sieht man zumindest nichts. Wir öffnen die Schiebetür und bekommen gleich den nächsten Schreck. Der komplette Innenraum ist unter einer dicken Staubschicht verschwunden. Na prima, da scheinen wohl die Dichtungen nicht dicht genug zu sein. Also holt Michi erstmal für Linas Waschbütt Flusswasser, damit ist sie schon mal beschäftigt und wir versuchen den Rocky halbwegs zu entstauben. Dann geht's weiter mit Wäsche waschen. Die hatte in unserer Tonne viel Zeit und Bewegung während der Schaukelfahrt um schön sauber zu werden. Da es warm und windig ist, trocknet sie ganz schnell. 

 

Morgens hängen wir sie ab und machen den Rockyinnenraum sandpistentauglich. Das heißt Decke über unser komplettes Bett ziehen und zusätzliche Gurte um alles was frei rumfliegen kann wie Wasserkanister, Gitarre und Linas Töpfchen. Wir halten beim Losfahren die Luft an. Mist! Das scheppernde Geräusch vor allem beim Gas geben und bergauf fahren ist noch da. Was kann das sein? Die Fahreigenschaften sind nicht eingeschränkt, als einfach erstmal weiterfahren. Nach zwei Tagen ist das Geräusch wieder weg, vielleicht hat eine Beule im Unterboden gegen den Motor gedrückt und das hat dann vibriert oder irgendwo hing ein Stein, wer weiß!

 

Da wir gestern so lange im Rocky saßen, fahren wir heute nur ein kurzes Stück. Es geht weiterhin über staubige Pisten bergauf bergab und die Landschaft wird langsam etwas karger und steiniger. Zwischendurch fehlt mal ein kompletter Strassenabschnitt zwischen zwei Orten auf unserer elektronischen Karte und wir folgen mal auf Verdacht immer der dicksten und befahrendsten der vielen Spuren. Mitten im Nichts halten wir an und lassen uns nieder. Hin und wieder fährt ein Auto vorbei und ansonsten hört man hier NICHTS. Komplett gar nichts. Noch nicht mal Tiere! Unglaublich diese Stille und diese Weite! Bei einem kleinen Spaziergang finden Lina und ich ganz viele Knochen und sie erschreckt sich furchtbar vor einer Eidechse. Einen Tag später ist sie den Viechern laut jauchzend hinterher gerannt ;-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Michaela (Freitag, 29 Juli 2016 11:54)

    Ja, das scheint eine ganz andere Welt zu sein...
    Freue mich so sehr für euch

  • #2

    Ela (Dienstag, 02 August 2016 00:47)

    Hola ihr 3 lieben,
    wir sind zur Zeit in Spanien aber die ca. letzte halbe Stunde war ich bei euch in der Mongolei, gedanklich zumindest und mit allen Sinnen.
    Komisch hier im Süden zu sein und euch so weit im Osten zu wissen. Tausende Kilometer weit weg und eben auf den Bildern und in den Erzählungen eures Tagesbuchs so nah.
    Gerade vermisse ich euch ganz besonders sehr