Weg zur mongolischen Grenze

In Ulan-Ude, der letzten größeren Stadt vor der mongolischen Grenze, machen wir nochmal einen Großeinkauf und vor allem viele Wasserkanister sind jetzt wichtig. Denn es ist richtig heiß geworden! Überhaupt hat sich während der letzten Kilometer einiges geändert. Ein großer Teil der Leute sieht asiatisch aus, die Landschaft ist eher steppig und man kann weit ins Land hinein schauen. Nachdem wir tausende Kilometer fast immer durch Wälder gefahren sind, stehen hier nur noch vereinzelt Bäume und es mehr kleine Büsche.
Michi muss immer öfter mal bremsen, denn häufig laufen Kühe über die Straße und ganze Herden grasen rechts und links von uns. Auf einmal wundern wir uns, dass einige Autos vor uns anhalten und die Leute aussteigen. Als wir Näherkommen, sehen wir den Grund: eine Herde Kamele direkt an der Straße! Sind die wild oder gehören die jemandem? Keine Ahnung! Wir sehen keinen Hirten und beobachten die großen Tiere, die ich bisher nur im Zoo gesehen habe, eine Weile. Leider verschläft Lina das Ganze und ist ganz überrascht, als sie die Fotos sieht. "Und da waren Kühe!" Da schläft man ein, sieht vorher nur Kühe und dann sollen da plötzlich Kamele gewesen sein!

Da es immer heißer wird, beschließen wir einen See ungefähr hundert Kilometer vor der mongolischen Grenze anzusteuern um die Nacht dort zu verbringen. Auf der Karte erscheint uns ein kleiner Weg hinter einer Ortschaft vielversprechend, doch dass wir an einem langen Strand mit jeder Menge Partyvolk landen, hätten wir nicht gedacht.
Es erinnert mich ein wenig an Rock am Ring: unterschiedliche Musik aus allen Richtungen, Zelte und überall wird gegrillt. 
Als wir aussteigen, steht ein Mann mit asiatischem Aussehen und in Badehose laut telefonierend in unserer Nähe. Mitten in dem völlig unverständlichen Redeschwall hören wir "Thomas Müller" und "Schweinsteiger". Da unterhält er sich wohl mit jemandem über das Fußballspiel heute Nacht. Wir trauen unseren Ohren kaum und winken ihm lachend zu. Er schaut auf unser Kennzeichen und ruft mit dem Daumen nach oben "Ah! Germania!".
Auch hier ist das Wasser ganz klar, aber nicht so kalt wie im Baikalsee. Wir beobachten Fische, schwimmen und immer wieder werden wir angesprochen. Besonders Kinder finden uns total interessant und wir haben nette Gespräche mit ein paar Mädels die gut englisch können. Lina findet eine kleine Freundin, die nur eine Woche älter ist und tauscht mit ihr die Gießkannen.

Wir bleiben noch einen Tag und genießen es, mal nicht fahren zu müssen. Als es dunkel und ruhiger wird, sitzen wir am Feuer und lassen die vier Wochen in Russland an diesem letzten Abend Revue passieren. Nachts klopft es mal wieder laut am Rocky. Was ist denn das jetzt schon wieder? Wir verstehen nur "Mashina" (Auto) und "Pozhulaysta" (bitte), aber bis wir richtig wach sind, ist der Ruhestörer schon weiter gezogen. Falls er Hilfe brauchte, hat er hoffentlich einen der anderen Camper davon überzeugen können aufzustehen. 

Und dann ist er schon da, der letzte Tag in Russland, der 4. Juli an dem wir über die Grenze in die Mongolei fahren wollen, der Tag von dem wir schon oft geredet haben...

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