Von Moskau nach Irkutsk

Wir wollen auf den einzigen Campingplatz in Moskau, der liegt innerhalb des 3. Rings um Moskau. Der Verkehr auf der Bundesstrasse wird immer mehr und wir entscheiden uns auf die Mautstrasse zu fahren. 4 Spuren in jede Richtung und nix los. Die ganzen Bundesstraßen um Moskau haben offiziell meist nur eine Fahrspur pro Richtung. Gerne wird aber auch der Standstreifen mitbenutzt. Der Verkehr in der Stadt ist die Hölle. Stau wohin man sieht, es wird rechts und links überholt. Beim Abbiegen wird auch gerne an allen vorbei gefahren und einfach vorne wieder eingeschert. Ich passe mich der örtlichen Straßenmentalität einfach an und mache es genau so. Wir sind eh das einzige ausländische Kennzeichen weit und breit.
Am späten Abend erreichen wir den Campingplatz im Sokoloniki Park. Der Betreiber spricht super deutsch und begrüßt uns sehr freundlich. Der Platz ist gut gefüllt mit Franzosen, Belgiern, Holländern, Deutschen und sogar Russen. Wir knüpfen die ersten Kontakte und lernen ein holländisches Paar kennen die noch mehr Zeit zum Reisen haben wie wir. Am nächsten Tag wollten wir eigentlich Moskau erkunden, aber es regnet und es ist nicht das beste Wetter für tolle Bilder von der Stadt. Also waschen wir Wäsche, sichern Fotos von den Kameras und lernen noch ein Paar aus Sigmaringen und Ernst aus NOM kennen.

Bei strahlend blauem Himmel am nächsten Tag geht es mit der Straßenbahn und Metro in die Stadt. Die Metro zählt zu der tiefsten und frequentiertesten der Welt. Jede Station hat was besonderes und man könnte den ganzen Tag damit verbringen an jeder Station einmal auszusteigen um sie sich anzusehen. Das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist total einfach geregelt. Man zahlt 50 RUB beim Einsteigen und kann solange fahren wie man will. Beim Umsteigen werden dann wieder 50 RUB fällig.

Als erstes steigen wir am Platz der Revolution aus und laufen rüber zum Roten Platz. Die Gebäude sind beeindruckend, riesig groß und aufwendig gestaltet. Trotz der vielen Touristen im Centrum kommt es einem nicht voll vor. Es gibt auffällig wenig Souvinierstände und fliegende Händler in der Stadt, so wie man es sonst von großen Touristenstädten kennt. Am Nachmittag machen wir eine Tour mit dem Hop on-Hop off-Bus durch die Stadt. Die Stadt ist riesig, aber sie schafft es nicht uns zu begeistern so wie St. Petersburg. Nach leckeren Palmini geht es wieder mit der Straßenbahn zurück zum Campingplatz.
Am nächsten Tag geht es los! Vor uns steht der weitere Weg durch Russland bis nach Irkutsk. 250 km am Tag müssen wir schaffen, damit wir am Ende auch rechtzeitig an der Grenze sind. Der Weg raus aus Moskau ist beschwerlich. Der Verkehr ist immer noch die Hölle, die Straßen sind meist nicht in gutem Zustand und es gibt sehr viele Baustellen an denen sich lange Staus bilden. Die Russen fahren einfach auf dem Schotterstreifen weiter nach vorne was die Situation auch nicht besser macht. Es riecht nach Abgasen und es ist schrecklich laut. TÜV, Rußpartikelfilter, Anschnallgurte und Betriebssicherheit sind hier nur Fremdwörter. Der LKW oder das Auto wird gefahren bis es auseinander fällt und dann wird es noch mal provisorisch zusammen gebastelt mit dem was gerade zu finden ist. Es ist völlig normal das man am Straßenrand liegen bleibt und dort dann sein Auto repariert. Die Landschaft ändert sich auch nicht wirklich. Bäume, Bäume und Bäume säumen die Straße. Wir brauchen lange um unseren Schnitt zu erreichen und denken uns nur "Wenn das so weiter geht schaffen, wir das nicht."

Einfach einen Platz für die Nacht finden ist nicht schwer, aber eine schönen und ruhigen Platz zu finden schon. An der Straße ist es immer laut und sobald man eine Nebenstraße abfährt, steht man zwar mitten in der Natur, aber man kann ja nicht mitten auf dem Weg stehen bleiben.
Die meisten großen Städte wie Omsk, Ufa, Novosibirsk und Krasnojarsk sind nicht besonders hübsch und wir verzichten auf eine ausgiebige Tour und Besichtigung der Statuen und Kriegsdenkmäler. In Kazan aber ist es anders. Wir überqueren die lange Brücke ins Zentrum und parken am Stadion und besuchen den riesigen Kremel mit seiner blau weißen Moschee. An vielen Ecken stehen Kunststudenten und malen Bilder von der Moschee. Wir haben versucht uns aufs Bild zu schummeln, aber so schnell waren sie dann nicht mit dem Zeichenstift. Durch Zufall treffen wir Geeske und Steven, das holländische Paar aus Moskau wieder. Wie lustig. Die beiden fahren von hier aus weiter nach Kasachstan, Kirgistan und dann in die Mongolei. Quasi genau andersrum wie wir. Perfekt! So können wir uns gegenseitig Tipps schicken und treffen uns vielleicht noch mal wieder auf der Strecke. Man trifft sich ja bekanntlich dreimal im Leben.
In Irkutsk waren wir auch mal wieder in der Werkstatt, dieses Mal brauchen wir neue Bremsklötze. Nach langem Suchen haben wir eine Werkstatt gefunden die auch die Teile hat. 

Die meisten Russen die wir unterwegs treffen, sind alle sehr nett und hilfsbereit. So kommt es in der Nähe von Irkutsk am Fluss vor, dass uns ein etwas betrunkener Angler erklären will, dass er wohl jemanden kennt mit einem Boot am Baikalsee und wir doch unbedingt damit fahren sollen. Leider mangelt es daran, dass er kaum englisch spricht und wir kein russisch. Außerdem gehen die meisten seiner Kumpels nicht ans Telefon. Naja, nach einem Jägermeister mit uns packen ihn seine Angelkumpels ein und fahren davon. Lina hatte besonders großes Interesse an dem Glas voller Würmer mit denen die kleinen Fische gefangen wurden.

In Russland sind viele Sachen anders wie bei uns:
An der Tankstelle wird erst bezahlt und dann getankt.
- Unsere Simkarte hat nur 10€ gekostet mit 12GB Internet im Monat. Ohne Vertrag und die Karte lässt sich einfach an den unzähligen Automaten im Land wieder aufladen.
- Alkohol wird offiziell nur von 10-22 Uhr verkauft.
- Müll ist ein großes Problem, meist wird er einfach in die Natur gekippt.
- Toiletten gibt es zahlreich an Rastplätzen, Tankstellen und Bushaltestellen, aber alles nur Plumpsklos!
- Es gibt zahlreiche Stände an den Straßen mit allem Möglichen in den Regalen. Von riesigen Kuscheltieren über selbst Angebautes und Eingemachtes bis hin zur Destille und Benzin im Plastikkanister.
- Die Russen mögen es bunt. In den kleinen Orten sind die Holzhäuschen und Spielplätze oft sehr farbenfroh.
- Was bei uns die Pommesbude ist, ist in Russland der Schaschlikstand und dazu noch ein Kwas aus dem Tank. Kwas ist ein altes ostslawisches Getränk und wird durch Gärung aus Brot hergestellt. 
Die Strecke bis nach Irkutsk war zwar mit rund 6500 km sehr lang, aber mit einer Nachtfahrt und zwischendurch auch sehr gut ausgebauten Strecken waren es zum Ende hin nur noch 100 km am Tag. Die kyrillische Schrift und die russische Sprache machen es nicht immer einfach. Meistens werden wir auch in russisch weiter voll getextet, obwohl klar ist, dass wir kein Wort verstehen. Aber mit Здравствуйтe, Пожалуйста, спасибо, ein paar weiteren russischen Brocken aus dem Babbelkurs, Händen und Füßen kamen wir sehr gut zurecht. Im Großen und Ganzen hat uns Russland sehr gut gefallen. Ganz getreu nach dem Motto "Russland ist groß und der Zar weit weg" wird in Russland meistens einfach gemacht und nicht lange darüber nachgedacht.

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