Schneeketten, Dünnpfiff und Disko

Auf der Suche nach einem Schlafplatz fahren wir ein Stück hinter Krasnojarsk von der großen Straße ab, durch einen kleinen Ort und entdecken einen Fluss. Auf einer Wiese steht schon ein Auto mit Zelt. Wir fahren noch ein bisschen weiter und stellen uns dann auch ans Ufer. Wir holen mit der Waschbütt Wasser aus dem Fluss für Lina zum Planschen und die Solardusche kommt mal wieder zum Einsatz. Michi macht ein Feuer und wirft den Dutch Oven an. Ein Mann kommt bei uns vorbei, er heißt André und erzählt irgendwas von "Big People". Hm, was er wohl meint? Vielleicht die Angler die bald ein Stückchen weiter auf der Wiese zelten oder die Familie die sich am späten Abend noch mit zwei Zelten fast direkt neben uns stellt? Wer weiß....
Als es nachts anfängt zu regnen, sind alle bald in ihren Zelten verschwunden und auch die Party People am gegenüber liegenden Ufer suchen sich wohl ein trockeneres Plätzchen.
Am nächsten Morgen regnet es immer noch und mir schießt direkt durch den Kopf "Hoffentlich kommen wir hier wieder weg!"
Michi schaut sich den Weg an, kommt zurück und sagt: "Lass uns direkt Schneeketten aufziehen, da oben ist alles matschig!" Gesagt, getan. Er holt die Schneeketten vom Dach und zieht sie im strömenden Regen auf die Vorderreifen. Los geht's! Unsere Nachbarn sind schon aus ihren Zelten gekommen und wollen sich wohl anschauen, wie die Deutschen da raus kommen. Michi fährt an, ich halte die Luft an und der Rocky kommt ohne durchdrehende Reifen über die Wiese. Puh.... Doch dann kommt der total aufgeweichte Weg, er schlittert etwas, aber fährt weiter. Fast geschafft! Dann sehe ich die kleine Anhöhe auf die festere Schotterstraße und denke nur: "Das wird nix!" Michi bleibt auf dem Gas, bloß nicht anhalten und tatsächlich schafft es der Rocky durch die letzten schlammigen Meter!!! LauterJubel, High Five und ein lobender Klapps für den Rocky! Nach dem Ort sind wir auf einer geteerten Straße, ziehen die Schneeketten wieder ab und fahren stolz weiter! 

Aber die Freude hält nicht so lange an, denn Michi und ich haben schon seit dem Frühstück so ein flaues Gefühl im Bauch und Michi bekommt dann plötzlich auch noch Durchfall. Lina hatte auch sehr unruhig geschlafen und so beschließen wir, mal wieder einen gemütlichen Familienmittagsschlaf zusammen hinten im Rocky zu machen. Als wir wach werden hat Michi Fieber und es geht ihm gar nicht gut. Was kann das bloß sein? Wir haben den letzten Wasserkanister im Verdacht, der etwas muffig geschmeckt hat. Lina und ich hatten nur wenig von dem Wasser getrunken, darum geht es uns auch soweit wieder gut. Aber Michi braucht nochmal Ruhe und so fahren Lina und ich vorne weiter, während er hinten schläft. 

Wir kommen noch ein gutes Stück vorwärts und finden einen Schlafplatz auf dem Parkplatz eines Sees am Rande einer kleinen Stadt. Als wir kochen, kommen ab und zu Autos vorbei, man hört mal Musik und Stimmen. Aber nicht weiter störend und so gehen wir ins Bett. Ich lese noch ne Weile, Lina und Michi schlafen fest. Und dann wird die Musik immer lauter, so laut, dass ich nicht einschlafen kann und Michi in seinem unruhigen Fieberschlaf immer wieder wach wird. Ich schaue aus dem Fenster und stelle fest, dass wir scheinbar an einer Disko geparkt haben! Tolle Wurst! Wir und unsere Zielsicherheit für Party Locations wieder! Total genervt stehe ich um halb drei auf und fahre den Rocky ein Stück durch die dunkle Nacht zu einem ruhigeren Plätzchen. Schon so ruhig, dass es fast unheimlich ist....

Aber der Rest der Nacht verläuft ohne weitere Störungen und Michi geht es morgens auch wieder besser. Prima! Dann können wir ja die letzten 1300 Kilometer in Angriff nehmen. Wir haben noch 9 Tage Zeit, die nächste Etappe ist Irkutsk und hinter dem Baikal See liegt schon der Grenzübergang zur Mongolei. 

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