Bei Ikea in Novosibirsk

Seit der Nacht auf dem Supermarktparkplatz in Omsk haben wir endlich keine Mücken mehr im Rocky und die Stiche hören langsam auf zu jucken. Wie gut, dass wir dieses Mückenvertreibungszeugs für die Steckdose gefunden haben. Und wie gut, dass wir eine Steckdose haben!

Nach dem Frühstück machen wir den Rocky wieder startklar, machen alle Schränke fest zu, schliessen die Dachfenster und da taucht auf einmal nochmal die Frau aus dem Waschsalon vor der offenen Rockytür auf. Sie ist ganz hingerissen von unserem Auto, von Lina und überhaupt freut sie sich total uns nochmal zu sehen bevor sie zur Arbeit geht und wir weiter fahren. Sie wünscht uns erneut alles Gute und strahlt über das ganze Gesicht. Wir auch!

Aber bevor es weiter geht, begeben wir uns noch kurz auf Schatzsuche. In ganz Omsk gibt es nur ZWEI Geocaches und der eine ist in einer alten Dampflok ganz in der Nähe versteckt. Wir finden und loggen unseren ersten Cache in Russland und sind sogar die allerersten die ihn entdecken. Toll!

Und so fahren wir gut gelaunt weiter. Unsere Mittagsrast machen wir in einem kleinen Ort zu dem wir ein paar Kilometer von der großen Straße abfahren. Bunte Häuser aus Holz, eine Pferdekutsche mit Kindern die sich zu uns umdrehen und sehr zu Linas Freude: ein Spielplatz! Wir parken direkt davor und schlagartig werden wir beobachtet. Alle Augen der spielenden Kinder richten sich auf uns. Wir steigen aus, Lina und Michi gehen auf den Spielplatz und ich bereite einen Mittagssnack zu. Die Kinder tuscheln und kichern, ein Junge zeigt auf unser Nummernschild und sagt "Amerikanski". Vielleicht hat er da was verwechselt mit den Sternen... Nach und nach nehmen die Kinder ihr Spiel wieder auf und Lina ist auf einmal mitten unter ihnen. Zwei größere Jungs spielen mit ihr im Sand, sie wippt zwischen zwei Mädchen und eines hilft ihr auf, als sie stolpert. Wir bleiben eine ganze Weile, beobachten das Leben in diesem typischen russischen Ort. Gegenüber picken ein paar Hühner, es wird an einem alten Lada geschraubt, zwei Männer sitzen auf einer Bank und unser Kind spielt und tobt glücklich mit den anderen Kindern. Zum Abschied drücken wir einem Mädchen noch ein Röhrchen Seifenblasen in die Hand, winken und hupen.

Nachmittags werden wir von einem heftigen Gewitter überrascht. Der Himmel wird plötzlich ganz dunkel, es stürmt und regnet so stark, dass wir kurz anhalten müssen. Und da wir auch keine Lust mehr haben noch weiter zu fahren, bleiben wir auf einem großen LKW-Parkplatz in der Nähe stehen um dort die Nacht zu verbringen. Die an-und abfahrenden Laster stören uns auch nicht weiter, aber dass spät abends jemand am Rocky klopft, schon! Wir stehen auf und ein Mann mit gelber Warnweste redet auf uns ein. Wir verstehen kein Wort. Michi steigt aus, damit Lina nicht wach wird und redet weiter mit ihm. Bald wird klar, dass wir woanders hin fahren sollen, weil auf diesem Teil des Parkplatzes wohl nur LKW parken dürfen. Michi erklärt ihm, dass wir ein kleines Kind haben was schon schläft und wir nirgendwo mehr hin fahren. Außerdem sei ja wohl auch genug Platz auf der riesigen Fläche. Nachdem wir 100 Rubel (etwas über 1€) bezahlt haben, dürfen wir stehen bleiben und können endlich weiter schlafen.

Die nächste Etappe führt uns nach Novosibirsk. Und um es gleich vorweg zu nehmen: das einzige, was wir von der Stadt gesehen haben ist der Ikea :-) 

Schon direkt am Eingang entwickekn wir Heimatgefühle und es fühlt sich irgendwie gut und vertraut an. Auch Lina ist total glücklich, sie kennt Ikea schließlich schon von vielen Nachmittagen mit der Krabbelgruppe und weiß, dass man dort toll spielen kann. Und so kommt es, dass wir den kompletten restlichen Tag dort verbringen. Lina spielt nach Herzenslust zuerst in der Kinderabteilung, dann im Spielbereich des Restaurants (wo wir natürlich Köttbulllar mit Pommes essen) und später noch in einem großen Kinderland des Einkaufszentrums. Sie erlebt wie ihr ein Junge den Werkzeugkasten weg nimmt und wird von einem anderen Jungen (dem kleinen Vadim) getröstet, als sie hin fällt. Sie malt, rennt durch die Gänge, kuschelt sich in ein Bett der Möbelausstellung, kocht und kann gar nicht genug bekommen von dem Trubel und den vielen Kindern. Ich beobachte Kinder und Mamas und mir fällt auf, dass je weiter wir nach Osten fahren, immer mehr asiatisch und mongolisch aussehende Gesichter dabei sind. Michi beobachtet derweil die schönen russischen Frauen die im Cocktailkleidchen und mit Highheels durch den Baumarkt stolzieren ;-)

Der Tag geht erfolgreich zu Ende, Lina hat eine komplette Kücheneinrichtung und unser zu Hause einen neuen Tisch!

Der Parkplatz leert sich und bald steht unser Rocky fast ganz alleine vor dem großen Einkaufszentrum. Wir beschließen, hier stehen zu bleiben und schlafen bald alle ein. 

Um 4 Uhr werden Michi und ich schlagartig von einer Sirene geweckt. Darauf folgt eine russische Ansage: "Vnimaniye vnimaniye! ..." und dann in englisch: "Attention attention! ..." Das Ganze wiederholt sich eine geschlagene Stunde in einer Lautstärke die uns wach hält. Warum testen die ihren Feueralarm ausgerechnet dann wenn wir da schlafen wollen?!

Dafür können wir ausschlafen und haben ausnahmsweise mal frische Brötchen zum Frühstück, die Michi im Supermarkt holt. Ich stehe an der geöffneten Rockytür, koche Kaffee, die Sonne scheint und aus dem Lautsprecher des Einkaufszentrums kommt "Looking back, over your shoulder". (Ela, wie oft haben wir das Lied auf unseren Fahrten im Panda oder Schinkoschenko gehört! Ich glaube, es war auf allen Mix-Kassetten dabei.) So kann der Tag starten und nach einer erneuten Ikea-Spieltour für Lina geht es weiter in Richtung Krasnojarsk.

Die Landschaft wird wieder hügeliger, wir fahren vorbei an einer Kuhherde samt Cowboy auf seinem Pferd, der ersten Jurte, einem Lada neben dem ein Holzklotz steht in dem eine Axt steckt sowie ein Schweinekopf (wir stellen uns lieber nicht vor, was da in dem Kofferraum so auf den Verkauf wartet), immer mehr Autos haben das Lenkrad auf der rechten Seite, auch hier haben viele Autos fast komplett getönte Scheiben, keine Stoßstangen oder auch mal keine Motorhaube. 

Unseren Schlafplatz finden wir in einem Fluggebiet. Vom Startplatz aus hat man einen schönen Blick über eine Stadt und den Fluss. 

Und da alle guten Dinge bekanntlich drei sind, verläuft auch diese Nacht wieder nicht störungsfrei. Dass wir ein Händchen für Partylocations haben, stellen wir ja öfter fest und so treffen sich auch hier zum Sonnenuntergang knutschende Pärchen bis hin zu Motorradspacken die mitten in der Nacht ihre Motoren so laut aufheulen lassen, dass diesmal sogar Lina wach wird! Sie schaut uns an, sagt "Hallo!", klettert aus ihrem Bett zu uns runter und schläft weiter. Wird auch Zeit, denn wir haben schon wieder eine Stunde weniger. Mittlerweile sind wir bei fünf Stunden Zeitverschiebung.

Gute Nacht! 



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