Willkommen bei den Tataren!

Immer weiter geht es in Richtung Osten. Irgendwie hatte ich mir Russland anders vorgestellt. Weiter, einsamer, größer.... Doch alles bündelt sich scheinbar um diese M7 die sich quer durch das Land zieht. Es scheint der Anfang der Hauptverbindung zwischen den Städten Omsk, Novosibirsk und Irkutsk im Osten und Moskau im Westen zu sein. Die Straße ist unglaublich laut, es fahren viele LKW, es stinkt nach Abgasen und man mag kaum das Fenster auf machen. Am Straßenrand tauchen immer wieder kleine Orte mit vielen verfallenen Häusern auf, die Leute verkaufen selbst Eingemachtes in Gläsern, große Plüschtiere, Felle, gestrickte Ponchos und sogar Popcorn in Tüten mit Tiermotiven. Die Straßen und Zufahrten sind von Schlaglöchern übersäht und es liegt Müll herum. Von der Landschaft sehen wir wenig, denn es ist meist dichter Wald um uns herum und die wenigen Wege die von der großen Straße abgehen, sind meist nicht rockytauglich. 

 

Und dann auf einmal auf dem Weg nach Kazan ändert sich die Landschaft. Es wird hügeliger, weniger waldig, wir haben mehr Weitblick und die Ortschaften sehen plötzlich viel gepflegter aus. Auf einem vorbei rauschenden Schild lesen wir irgendwas von einer Stadt auf einer Insel und Tatarstan. Das erste braune Schild übrigens was wir in Russland sehen, im Baltikum und Finnland gab es diese Schilder die einen zu Sehenswürdigkeiten führen am laufenden Band! 
Wir fahren auf einen Hügel mit Blick auf eine zerklüftete Seen- und Flusslandschaft, sind absolut überwältigt von dem Ausblick und beschließen hier die Nacht zu verbringen. 

 Wie gestern auch schon ist es windig und bald schon packt Michi seinen Schirm aus. Eine große Wiese ohne Hindernisse oben auf dem Hügel, ein gleichmäßig angeströmter Hang und unten viele Wiesen - warum sollte man hier nicht fliegen können? Und schon ist er in der Luft. Der erste Flug während der Reise. In Russland. 

Während der Papa fliegt, fangen Lina und ich an zu kochen. Es gibt die gefüllten Teigbeutelchen die wir morgens tiefgekühlt in einem kleinen Ort gekauft haben. Keine Ahnung was auf der Packung steht, aber wahrscheinlich einfach in heißes Wasser werfen. Funktioniert und schmeckt prima zu dem Rest vom Reis von gestern!
Gerade sagt Michi: "Jetzt sind wir schon neun Tage hier und haben noch keinen russischen Wodka getrunken!" Da hält auf einmal ein Auto an und ein paar Jungs steigen aus. Sie begrüßen uns auf englisch und kaum haben wir uns versehen, halten wir ein Gläschen Wodka in der Hand. Wir stoßen an, mit erhobenem Glas heißt es "Welcome to Russia!", "Friendship!" und "Na sdorówje".
Die drei Jungs und das eine Mädel wollten wohl nur einen sundowner an diesem schönen Platz trinken und hatten sicher auch nicht damit gerechnet ein paar Deutsche dort zu treffen. 
Einer von ihnen - Ildar - spricht am besten englisch und erzählt uns, dass er unten im Ort wohnt und lädt uns auch direkt zu sich nach Hause ein. Er sagt, sie kommen fast jeden Abend hoch auf "seinen Berg". Seine Freundin ist Ukrainerin, er war schon mal Dresden und sein Freund in Regensburg. Er bietet uns seine Telefonnummer samt Hilfe an, falls wir mal nicht weiter kommen. Als die Mücken uns fast auffressen, drücken sie uns noch die Flasche Wodka samt Gläsern in die Hand, schreiben einen Gruß in unseren Rocky und verabschieden sich mit guten Wünschen und Winken. 
Wir freuen uns riesig über diese nette Begegnung und der Wodka schmeckt so gut wie der von Willem und Marci in Tschechien. 
THANK YOU GUYS! GREAT TO MEET YOU!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    paula, emma, heike, tom (Dienstag, 14 Juni 2016 17:13)

    Hallo ihr lieben,
    schön zu lesen euer blog.schöne bilder. russland hat uns gut gefallen, besonders sibirien.
    hoffen ihr habt weiterhin viele schöne erlebnisse , wünschen euch eine gute weiterreise.
    eigentlich müsstet ihr nur ein wenig geradeaus fahren und wir könnten uns in alaska treffen.
    Liebe grüße

  • #2

    Ela (Mittwoch, 15 Juni 2016 21:48)

    Huhu,
    nach ein paar Tagen mal wieder bei euch reinschauen und lesen wie es in Russland so weitergeht.
    Die Bilder sprechen ja für sich. Da habt ihr wirklich einen tollen Platz in der Natur gefunden. Und Michi, endlich ab in die Luft. Das war bestimmt toll. Lina sieht auf einem der letzten Bilder mit ihrem Rucksack auch wie eine kleine Fliegerin aus.
    Bestimmt probiert sie es später auch mal aus☺️.
    So schöne Begegnungen wie die mit den "Wodka Sundownern" wünsche ich euch immer.
    Bekommt ihr eigentlich was von der EM mit? Wenn Russland spielt ist dort doch sicher auch was los.
    Guts Nächtle
    Ela