Die Dame am Nachbartisch

Mitten in der Altstadt von Vilnius sitzen wir, in einer belebten Fussgängerzone, bei einem Kaffee (Birnensaft für Lina) und schauen uns das Treiben an. Ein Stück weiter oben spielen Strassenmusiker. 

Da fällt mir eine Frau am Nachbartisch auf. Sie ist auch nicht zu übersehen mit ihrem riesigen Hut, der Lockenperücke und den bunten Kleidern. Sie trinkt ein Bier, lächelt die Leute an von denen sie bestaunt wird und geht dann wieder. Wir brechen auch auf und ich frage mich in Gedanken noch ein bisschen, was es wohl mit ihr auf sich hat. 

Dementsprechend überrascht bin ich dann auch, sie plötzlich wiederzusehen. Ein junger Künstler bietet am Straßenrand seine Fotos auf Magneten zum Verkauf an und auf einigen ist die Frau zu sehen. Ich bleibe stehen, schaue mir die Bilder an und komme mit dem Fotografen ins Gespräch. Er erzählt mir die Geschichte dieser bunt gekleideten Frau:
Sie lebt auf dem Land und kommt seit über 15 Jahren nach Vilnius um sich mit Betteln ihr Geld zu verdienen. Jeden Tag steigt sie an der Kathedrale aus und geht die Straße entlang in der wir sie getroffen haben. 

Er erzählt mir auch die Geschichte seiner Fotos:
Sie zeigen die alte Frau in ihren schillernden Outfits vor den Läden der großen teuren Labels. Er möchte damit den Kontrast zwischen arm und reich darstellen und dass man gar nicht viel Geld braucht um etwas aus sich zu machen. 

Ich nehme einen der Magneten mit und bin tief beeindruckt von dieser Begegnung. 

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