Warschau

Grenzchaos überstanden. Wir sind in Polen. Und wollen am liebsten keinen Meter mehr weiter fahren. Beim erstbesten Parkplatz bleiben wir stehen, kochen, Lina fährt nochmal die Puppe spazieren und wir verbringen dort die Nacht. Irgendwann ist auch das junge verliebte Mofapäarchen verschwunden.


Am nächsten Morgen geht es weiter in Richtung Hauptstadt. Ganz schaffen wir es nicht und finden 30 km entfernt ein schönes Plätzchen im Hof einer älteren Dame. Ihr Enkel bietet diesen als Stellplatz an und nach kurzem Telefonat dürfen wir kommen obwohl er gerade auf dem Weg nach Deutschland ist. Wir füllen unsere Wasserkanister auf, Lina spritzt mit dem Schlauch die Nachbarhühner nass (zumindest tut sie so) und nach einem Spaziergang mit Besuch auf dem Spielplatz kochen wir dann Abendessen. Die Oma freut sich über das Treiben hinter ihrem Haus, knuddelt Lina und am nächsten Tag verabschieden wir uns wieder - begleitet von einem freundlichen polnischen Redeschwall. Zu Lina hat sie immer "wärri neis" gesagt und war stolz auf ihre paar englischen Brocken!
Ja und dann heißt es hinein ins Großstadtgetümmel. Michi passt sich ganz souverän der örtlichen Fahrweise an und bald stehen wir vor der russischen Botschaft. Irgendwann fiel uns nämlich auf, dass wir noch ein Transitvisum für Russland brauchen, wenn wir von der Mongolei nach Kasachstan wollen. Da muss man nämlich nochmal kurz durch Russland. Wir hatten schon hin und her überlegt wie wir das am besten machen können und wie lange das wohl dauert. Hatten uns sogar schon auf einen längeren Aufenthalt in Warschau eingestellt. Aber ganz umsonst haben wir uns Gedanken gemacht, denn man kann nur ein gültiges Visum im Pass haben stellte sich heraus. Also müssen wir das so oder so in Ulan-Bator erledigen. Puh, da sind wir erleichtert!

Und können entspannt zwei Tage mal ausnahmsweise wieder auf einem Campingplatz verbringen. Welch ein Luxus! Wäsche in der Maschine waschen, warme Duschen, Wi-Fi und sogar abends noch in der Kneipe sitzen während Lina im Rocky schläft! Wie immer sind wir mal wieder die einzigen und haben den ganzen Platz für uns.

 

Der Rocky hat zwei Tage Pause und wir fahren mit Bus und Straßenbahn ins Zentrum. Lina tut so, als ob sie das jeden Tag macht und hält sich wie ein alter Hase an der Stange fest. 

Warschau ist groß und ich könnte mir vorstellen, dass das Nachtleben echt spannend ist! Es gibt ganz viele interessante Kneipen und Bars. Da geht sicher was! Wir haben immerhin polnisch zu Mittag gegessen und anschließend noch Cocktails getrunken. Man muss halt mit kleinem Kind manchmal die Feste feiern wie sie fallen... Es war jedenfalls unglaublich lecker! Rote Beete Suppe in der ich hätte baden können, Pfannkuchen mit Gulasch und Pierogi. Das sind gefüllte Teigtaschen und eins der populärsten polnischen Gerichte. Die kleinen Dinger werden mit allem gefüllt, was man sich nur so vorstellen kann. Sauerkraut, Ziegenkäse, Spinat, Hackfleisch oder Pilze, man kann sie frittieren oder auch süß zubereiten mit Zimt oder Apfelmus. Also genauso furchtbar gut wie es sich anhört. Wir rollen aus dem Restaurant und Lina die Glückliche kann direkt in der Trage auf Papas Rücken ins Fresskoma fallen. Wir schlendern ein bisschen durch die Gegend, lassen uns treiben, finden es zur Abwechslung mal ganz lustig nicht die einzigen Touris zu sein und fahren abends mit Bus und Bahn wieder zurück. 
Am nächsten Tag kaufen wir noch schnell neue Schuhe für Lina (Flower-Power yeah!) und lassen in einem Straßencafé bei fantastischen Kuchen noch ein bisschen die Großstadt auf uns wirken. Spätestens als eine Gruppe singender und tanzender Hare Krishnas an uns vorbei zieht und mir ein junger Kerl mit lustigen Haaren ein undefinierbares Süsskrambällchen in die Hand drückt, merke ich, dass das beschauliche Leben der Ukraine schon wieder Lichtjahre entfernt ist. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Michaela (Donnerstag, 21 April 2016 15:23)

    Das sind mal ordentliche Kuchen Portionen

  • #2

    Annika (Dienstag, 26 April 2016 10:31)

    Die Schuhe sind ja geil !!! Will auch so welche haben ;-)