Ein kleiner Vorgeschmack?

Noch ein paar Kilometer durch kleine Örtchen dann geht es über die erste "richtige" Grenze zur Ukraine. Es ist nur eine Spur offen und wir sind auch das einzige Auto im Moment. Los geht es mit der Ausreise aus der Slowakei. Am ersten Fenster Pässe und Fahrzeugschein abgeben. Nach kurzer Zeit hatten wir unsere Pässe wieder und es ging weiter. 3m vorfahren, Zollkontrolle! Wieder Pässe abgeben und diesmal auch alle Türen aufmachen und der Zollbeamte wirft einen Blick in unseren Rocky und vergleicht die Fahrgestellnummer. Noch kurz gefragt warum wir in die Ukraine wollen und weiter gehts auf die Ukrainische Seite der Grenze.

 

Die Grenzbeamtin nimmt wieder unsere Pässe und verschwindet in ihrem Büro. Ihr Kollege wirft in der Zeit einen gründlichen Blick in den Rocky. Vorne auf, hinten auf, Seitentür auf, sämtliche Türchen muss ich aufmachen und ihm den Windmesser erklären, dann noch die Reiseapotheke, Kühlschrank und Küche öffnen. Endlich geschafft! Die Grenzbeamtin mit unseren Pässen und einem Zettel ist wieder da. Das soll es aber noch nicht gewesen sein. Die Beamtin kommt wieder mit den Worten "Michael 5m fahren und dann links laufen." Gleich 2 Beamte kümmern sich um unsere Pässe und Fahrzeugschein. Nach vielem hin und her auf Deutsch, Englisch und mit Zeigen auf irgendwelche Daten im Fahrzeugschein hat er endlich alles im Computer. Jetzt nur noch zur Bank mit 3 Zetteln, Geldwechsel und wieder zurück zum Beamten. Jetzt ist alles OK und wir können in die Ukraine einreisen.

 

Hinter der Grenze ist plötzlich alles anders. Nicht nur die Schrift ändert sich ins Kyrillische.

 

Die Strassen sind in einem katastrophalen Zustand. Manchmal ist man schon froh wenn man in den 2. Gang schalten kann und endlich mal schneller als 10km fährt. Markierung gibt es eh nicht und es wird auf der Strassenseite gefahren die weniger Schlaglöcher hat.

 

Das Nationalbewusstsein in der Ukraine ist hoch und deshalb wird alles in den Landesfarben blau und gelb gestrichen. Zäune, Bushaltestellen, Strommasten und Spielplätze.

 

Wir wollen in den Nationalpark und fahren durch immer kleinere Orte mit nur einer Straße. Vorbei kommen wir an "Grandpa Oak" eine 950 Jahre alte Eiche. Autos haben wir schon länger nicht mehr gesehen , eher mal ein Pferdefuhrwerk. Alle Häuser haben hier einen Brunnen vor dem Haus und Klohäuschen hinter dem Haus. Überall gibt es kleine Äcker und alles wird mit der Hand oder mit dem Pferd bewirtschaftet. Eine Reise zurück in die Vergangenheit.

 

Nach einer Nacht im National Park geht es weiter Richtung Norden. Auf dem Weg kommen wir an ein paar typischen Holzkirchen vorbei, überhaupt gibt es sehr viele Kirchen und Kruzifixe wo die Leute stehen bleiben und sich bekreuzigen. Auf den Friedhöfen wird alles üppig mit Plastikblumen geschmückt.

 

Hühner und Hunde trifft man nicht nur auf der Straße sondern auch auf den Spielplätzen. 

 

Für Lina ist es nur wichtig ob man auf einem Spielplatz schaukeln kann, ob es eine Rutsche gibt und ob die wiederum eine Treppe hat, was meistens nicht der Fall ist.

 

TÜV ist ein Fremdwort in der Ukraine und das was wir tieferlegen wird hier maximal nach oben geschraubt. Alte Autos die bei uns nicht mehr fahren sind hier Top in Schuss und so kommt einem auch mal ein Sprinter mit der Aufschrift "Schreinerei Müller" entgegen.

 

Unsere Reise durch die Ukraine führt uns am Ende durch Lemberg, wo die Straßen auch nicht besser sind, aber es extra "Kiss Places" und ein "Theater des Bieres" gibt.

 

Die Rückreise in die EU nach Polen war ganz anderes wie die Einreise. Es war eine Riesenschlange vor der Grenze an der wir vorbei gefahren sind. Am Ende der Schlange waren 2 Beamte die uns einen Zettel geben und nur sagen "Good Luck drive on the right side". An der Ukrainischen Ausreise waren wir schnell, aber danach fing das Chaos an. Alle Autos fahren Kreuz und quer. Die Polen kaufen Zigaretten im Duty Free shop und verstecken sie im Auto. Jeder fährt wo er will und alle gehören irgendwie zusammen. Nach 3 Stunden Chaos und Schlange stehen haben wir es endlich geschafft.

 

Wir waren nur 4 Tage in der Ukraine und es kommt einem wie eine andere Welt vor. Ein kleiner Vorgeschmack was uns ab Russland erwarten wird?


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Kommentare: 2
  • #1

    Manu (Samstag, 16 April 2016 09:49)

    Hallo ihr Lieben, danke für den spannenden Bericht, bei dem ich fast vergesse, dass ich ihn nur lese und nicht nicht life dabei bin.
    Bleibt behütet, Manu und Reiner

  • #2

    Michaela (Sonntag, 17 April 2016 13:10)

    Das scheint wirklich eine komplett andere Welt zu sein! Aber das einfache Leben ist zwar sicher in vielen Dingen nicht leicht, aber sicher oftmals besser als unsere Konsumgesellschaft. Durch Eure Berichte und Bilder bekommt man einen sehr guten Eindruck von Land und Leuten.
    Bin sehr gespannt auf eure kommenden Erlebnisse...1000 Küsse